Mittwoch, 23. September 2009

Kommentar an Kieler Nachrichten: Milch Protest spaltet die Landwirte

Nachdem die Kommentarfunktion auf den Seiten der Kieler Nachrichten anscheinend nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren, nun eben hier auf meinen eigenen Seiten. Ich beziehe mich auf diesen Artikel:

Ja, der Milch-Protest spaltet die Landwirte. Die ca. 10% der überliefernden Landwirte, die sich nicht an die noch bestehende Quotenregel halten, die ohne Lieferrechte melken und alllen anderen die Preise durch ihr wirtschaftlich unsinniges Handeln in den Keller drücken, spalten sich von den ca. 90% derer, die eine allerortens übliche an den Markt angepasste Mengensteuerung etablieren möchten.
Und? Was ist daran jetzt schlimm? In einer Demokratie geht es immer um Mehrheiten und nicht um Einigkeit. Würden die Milchbauern, wie so oft schon vorgeschlagen, aber immer und von jedem abgelehnt, neutral befragt werden, welchen Weg sie vorziehen würden, der Weg wäre klar geworden. So aber ist es ein leichtes, denjenigen, die die Mehrheit bilden, vorzuwerfen, dass man so nicht handeln dürfte, wie sie es jetzt tun. Die Bauern waren lange friedlich. Und hartnäckig haben sie ihre Wünsche und Forderungen immer und immer wieder der Politik, der Meiereiwirtschaft und allen anderen Verantwortlichen unterbreitet. Es wäre Zeit genug gewesen, zu handeln. Oder auch nur Gesprächsbereitschaft zu zeigen. Da dem nicht so war, bleibt jetzt nur der Weg, die Dinge selber in die Hand zu nehmen und mehr Druck auszuüben. Bevor es zu spät ist und die Mehrheit der Bauern in diesem Land und in der ganzen EU nicht mehr existieren.
Und da sollte jeder sich hüten, der ethische Bedenken äußert. Denn einen ganzen Wirtschaftsbereich am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen ist ethisch viel bedenklicher, als ein Lebensmittel zu vernichten, von dem man nicht mehr leben kann! Erst recht, wenn man bedenkt, dass durch das Handeln der Politik und des DBV die Nahrungsmittelversorgung stark gefährdet wird. Auch der Umwelt- und Tierschutz wird zu kurz kommen, wenn denn der Rest der Nahrungsmittelerzeugung erst in Händen weniger Großindustrieller sein wird. Und genau das ist das Ziel des DBV! Genauso wird der Tourismus in diesem Lande leiden, denn die blühenden Landschaften, die Knicks, die ganze Kulturlandschaft wird sich massiv verändern, wenn der vom DBV propagierte Weg beibehalten wird. Die Mehrheit des Wahlvolkes hat dies durchaus verstanden und unterstützt die streikenden Bauern. Zufrieden ist mit den Mitteln, zu denen gegriffen werden muss, niemand. Weder die streikenden Bauern noch das Volk. Es gibt aber keine Alternativen, solange die Politik weiter einen nicht marktwirtschaftlichen Weg verfolgt, der ihnen vom DBV als marktwirtschaftlich verkauft wird.
Georges Pompidou sagte einmal: Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen, Wetten und der Rat von Fachleuten. Die Bauern haben es erkannt und viele von ihnen sind bereits aus dem Bauernverband ausgetreten. Nun ist die Politik an der Reihe, diesen falschen Beratern zu kündigen. Denn sonst werden sie am Wahlabend ihren Ruin erleben!

Dienstag, 15. September 2009

Meiereiaktionstag in Hohenweststedt und Barmstedt

Am heutigen Dienstag trafen sich um 10 Uhr ca. 35 Bauern vor der Meierei Nordmilch in Hohenweststedt.

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Sie versperrten die Abfahrtswege für die LKWs, um auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen und sich gegenüber den streikenden Franzosen solidarisch zu zeigen.

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Nicht, um die Produkte der Meierei nicht in den Handel zu lassen, sondern weil ein Gespräch gesucht wurde. Egal, wo die Bauern hinkommen und Fragen stellen oder ihre Forderungen nach marktwirtschaftlich flexiblen Mengensteuerungen anbringen wollen, heißt es, sie seien am falschen Ort und der jeweils angesprochene gar nicht zuständig. Dies wollen sich die Bauern nicht mehr gefallen lassen, denn zuständig ist jeder in der ganzen Wirtschaftskette. Der Lebensmitteleinzelhandel genauso wie die Meiereien und Genossenschaftsverbände. Auch die Politik trägt ihren Anteil an den Entscheidungen, die zu den verheerenden Entwicklungen in der Milchwirtschaft  geführt haben.

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Als eine der größten Meiereien ist die Nordmilch auch an Entscheidungsfindungen im Marktgeschehen beteiligt und kann sich daher nicht herausreden.

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Die spontane Aktion war sehr friedlich, die Polizei zuvorkommend und verkehrsregelnd. Sie hat die Bauern auf rechtliche Belange hingewiesen, bevor es zu etwaigen Anzeigen kam.

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Begleitet wurden die Bauern von einem Trekkerkorso, der sich durch Hohenweststedt hin und her bewegte. Im Schritttempo. Der Verkehr wurde verlangsamt, aber nicht wirklich beeinträchtigt. Informationsblätter wurden an Passanten und vorbeifahrende Autos verteilt. Symphatiebekundungen waren auch heute Standard.

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SIlage wurde vor die Haupteinfahrt der Meierei gekippt. Getreu dem Motto des Tages: Macht Euch Eure Milch doch selber! Denn die Bauern wollen keine Milch mehr herstellen bzw. für unter kostendeckenden Preise verkaufen. Und wenn die Meiereien eben den Hals nicht voll kriegen können in dem sie nach immer mehr und immer billigerer Milch rufen, so sollen sie sie doch selber herstellen. Wenn sie es billiger können.

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Nachdem die Meierei mit Schadensersatzklagen drohte, weil der Schaden nach nur zwei Stunden langsam in die Millionenhöhe gehen könnte, mussten die verstreuten Teilnehmer mühsam darüber unterrichtet werden, den Platz des Geschehens zu verlassen. Und so brachen sie dann mit Verzögerung um ca. 13 Uhr auf, friedlich wie sie gekommen waren.

Weil aber die Bauern noch nicht den Mut aufgegeben hatten, trafen sich viele vor der Meierei Barmstedt wieder.

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Der Meiereichef war zufällig vor Ort und sprach in aller Ruhe mit den Bauern. Er ließ sich auch nicht von der von einem aufgebrachten LKW-Fahrer herbeigerufenen Polizei beeindrucken. Und so wurden sachgemäße Argumente ausgetauscht, was vielerortens nicht mehr möglich ist.

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Unteranderem, dass die Situation auch für die Meiereien nicht einfach sei, man allerdings laut Satzung eine Abnahmeverpflichtung auch überlieferter Milch habe. Und Satzungsänderungen wären nur mit dreiviertel Mehrheit der Genossen möglich. Da aber die Bauern selber nicht alle einer Meinung seien, hätte solch ein Anliegen wenig Aussicht auf Erfolg. Und so ging man nach einer Stunden auseinander, nachdem die Argumente gewechselt waren.

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