Montag, 22. Juni 2009

Lebendiger Organismus Boden

Kommentar zur Sendung “ZDF-Umwelt – Mikrokosmos Boden”

Im Einleitungsfilm wird die Bodenstruktur im Wald dargestellt. Leben all über all. Lauter Getier in dem vom Laub gebildeten Humus. Auch auf der Wiese bei den Kühen: das strotzende Leben im dunklen, fast schwarzem Boden. Gut, der Boden unter Wiese sieht mir verdächtig nach Moor aus, das ist immer recht dunkel. Es gibt aber durchaus auch Wiesen, die ganz anders aussehen, wenn man mal mit dem Spaten reingeht. Da ist dann unter einer dünnen Schicht Humus nur Kies. Aber das wäre vermutlich nicht so gut angekommen bei der implizierenden Darstellung.

Dann auf dem Acker: wo junger Mais wächst findet man einen “nahezu enthäuteten Boden ohne Struktur”,  “durchs Pflügen homogen”. Ja klar, so solls ja auch sein. Je homogener ein Boden ist, desto besser. Wurde mir jedenfalls mal beigebracht. Und das hat sich bis dato auch nicht geändert.

“Kein Leben wäre in diesem Boden auffindbar, bis auf den Mais würde dort nichts wachsen” wird weiterhin gesagt.  “Von Reichhaltigkeit eines Bodenlebens keine Spur”. Ohne Bodenleben würde dort aber nichtmal der Mais wachsen. Und außerdem soll bei effektivem Anbau auch nichts anderes wachsen, als die angebaute Frucht. Imho wird da dem geneigten Zuschauer ohne Fachkenntnis unterbreitet, Landwirtschaft würde oder sollte so funktionieren wie zu Urzeiten im Urwald. Das mag in manchen Drittweltländern so sein, wo der Urwald gerodet wird für den Anbau von Früchten, vornehmlich nur ein paar Jahre lang bis der Boden nichts mehr hergibt, von dem etwas wachsen könnte. Was aber hierzulande und heutzutage sicherlich auch nicht grad wünschenswert sein dürfte.

Im nächsten Filmbeitrag wird hervorgehoben, das die mechanisierte moderne Landwirtschaft mit PS-starken Schleppern erheblich tiefer pflügt als es der Bauer früher mit dem Pferd gekonnt hatte. Wo letzterer nur 15cm tief pflügen konnte gehts jetzt also deutlich weiter runter. Was für ein Quatsch. Natürlich kann man heute bequem auch 30cm tief pflügen. Aber wieso sollte ein Bauer das tun, wenn in 30cm Tiefe kein Bodenleben mehr ist? Er würde allen fruchtbaren Boden sinnlos vernichten.  Nein, damals wie heute gilt, es kann nur so tief gepflügt werden wie die Humusschicht dick ist.

Natürlich wird hie und da auch geringfügig(!) tiefer gepflügt als die Humusschicht dick ist. Dort nämlich, wo sie explizit dünn ist. Wird die obere humusreiche, lebendige Bodenschicht von vielleicht 10cm Stärke bis auf 11cm tief gepfügt, so vermischt sich der Boden bis in diese Tiefe. Der Boden ist vielleicht kurzfristig etwas schlechter wie vorher, dafür aber hält er Feuchtigkeit länger fest, die in der dünneren oberen Schicht schneller verdunstet wäre. Und wenn dann noch Mist oder Stroh auf- bzw. eingebracht wird, so wird die nutzbare Bodenschicht vermehrt! Und nicht vermindert oder gar vernichtet, so wie es in der Sendung durchklingen sollte. Denn es ist längst nicht so wie in dem Bericht geschildert, das die Humusschicht in untere, “tote” Bodenschichten verlagert wird, sondern sie wird mit dieser vermischt. Guten, nutzbaren, ertragreichen Boden tief “wegzupflügen” macht kein Bauer! Es wäre die Vernichtung der eigener Lebensgrundlage.

Der geneigte Zuseher sollte sich immer bei solchen Aussagen fragen, weshalb der gerne böse dargestellte Bauer denn soetwas tun sollte. Er lebt schließlich von dem, was er dem Boden abringen kann. Abringen könnte er sehr schnell und sehr fiel, aber dann hat er nach wenigen Jahren nichts mehr. Also ist es doch des Bauern größtes Anliegen, dem Boden so wenig wie möglich zu schaden. Ganz im Gegenteil will er ihn doch sogar noch weiter verbessern. Und nichts weiter tut er. 

Eine dünne, humusreiche Bodenschicht ist sehr viel schneller erodiert als eine dickere Schicht. Der Bauer tut also etwas gegen die Bodenerosion anstatt das er sie verschlimmert. Zumindest solange, wie der Boden auch bewachsen ist. Wächst nichts, hält auch nichts den Boden fest und er könnte weggespült oder -geweht werden. Solange also eine stete Fruchtfolge eingehalten wird kann dem Boden wenig passieren. Gerade da, wo nichts mehr angebaut wird bildet sich recht schnell entweder ein Wald oder, bei dünnen Humusschichten in denen das Wasser kaum gehalten werden kann, eine Wüste.

Vorsicht also immer und ständig bei solchen Berichterstattungen. Natürlich braucht es, um einen möglichst effektiven Umweltschutz zu rechtfertigen, auch einen Gegenspieler. Jemanden, der der Umwelt schaden will. Wenn es die propagierten aber gar nicht sind weil sie selber am längsten von der Umwelt profitieren möchten, dann verkommt der Umweltschutzgedanke schnell ins Lächerliche bis Absurde. Diese Sendung war zumindest in meinen Augen ein weiterer Meilenstein zur öffentlich rechtlichen Verdummung und Indoktrinierung des Volkes gegen die Landwirtschaft.

Note: 5