Sonntag, 18. Oktober 2009

Neue Seite!!!

Für ein paar Fotos mehr, und auch diverse Videos zu Demos und Milchstreiks besucht doch bitte meine neue Seite www.heidrehm.de
Dort wird dieser Blog in Zukunft fortgesetzt. Vielen Dank.

Montag, 5. Oktober 2009

Agrarsonderkonferenz in Brüssel

Heute fand in Brüssel eine Sonderkonferenz zur aktuellen Milchmarktpolitik und -situation statt. Etwa 2000 Milchbauern aus ganz Europa hatten sich auf den Weg gemacht, diese Konferenz zu begleiten und mahnend vor Ort zu sein. Und so sah der Vorplatz des Ratsgebäudes dann auch aus.



Die 800-1000 Schlepper, mit denen viele Bauern nach Brüssel gefahren waren, ließen sich fotografisch überhaupt nicht angemessen darstellen. Man muss es gesehen haben. Alle Straßen rund um den Veranstaltungsort waren drei-spurig zugeparkt. Eine beeindruckende Demonstration.

Die obligatorischen Mahnfeuer durften natürlich auch nicht fehlen. Angesichts der vielen Mahnfeuer, die in den letzten Wochen in Deutschland abgehalten wurden, hatten die Bauern auch Übung darin. Störend war der viele Regen. Daher wurde auf spezielles Brandmaterial zurückgegriffen. Die Geruchsbelästigung hielt sich in Grenzen, der dicke schwarze Qualm dagegen war unübersehbar und zog unheilvoll durch Brüssels Hochhausschluchten. Die örtlichen Fensterputzer dürften sich freuen über die zusätzlichen Aufträge.



Auch Lautstärke war gefragt, schließlich wollte man wahrgenommen werden. Es wurde gegrölt, gepfiffen, gehupt. Die Feuerwerksböller, die unbekannte Leute anschleppten, waren aber sicherlich nicht erlaubt in Deutschland. Unsere Leute können es also nicht gewesen sein, die Bauernverbandspräsident Sonnleitner einen dieser winzig kleinen, aber überaus explosiven Biester, vor die Füße warf. Man fragte sich eh, aus welchem Grunde Sonni meinte, er müsse sich dort zu Wort melden. Nunja, vermutlich, weil er so unsere Demonstration als die Seine ausgeben wollte. Wie armselig, das der Bauernverband schon zu solchen Mitteln greifen muss. Aber wenn er anders nicht mehr überzeugen kann...

Die anwesende Polizei verhielt sich friedlich. Jedenfalls solange die Bauern es auch waren. Am Ende, als niemand von den Herren und Damen Politikern sich zu uns heraustraute zur Berichterstattung, da erst riss einigen Milchbauern der Geduldsfaden. Und promt wurden die aufgestellten Wasserwerfer in Betrieb genommen. Die Bauern hatten aber vorgesorgt und mit Strohwerfern gegengehalten. Solch ein Einstreuhächsler ist schon eine feine Sache. Die Bilder davon in der Presse waren beeindruckend. Schade, dass ich selber da schon wieder auf dem Heimweg war.



Ein langer, anstrengender Tag in Brüssel. Die Busfahrten hin und zurück natürlich nicht vergessend. Aber dennoch ein lohnender Tag. Denn nachgeben oder faulenzen gilt nicht. Es hat sich einiges bewegt durch unseren Einsatz. Und anhand der Sicherheitsvorkehrungen kann man erkennen, dass man durchaus Respekt vor uns hat. Vielleicht sogar ein bisschen Angst. Denn Bauern, die nichts mehr zu verlieren haben, sind unberechenbar. Naturgemäß friedlich veranlagte Menschen, aber wehe man will sie betrügen. Oder sie werden missachtet. So, wie sich die Bauern zu Hause auf ihren Betrieben von früh bis spät abplackern, so können sie auch demonstrieren wenn es drauf ankommt.

Ein paar weitere Impressionen:




 

Mittwoch, 23. September 2009

Kommentar an Kieler Nachrichten: Milch Protest spaltet die Landwirte

Nachdem die Kommentarfunktion auf den Seiten der Kieler Nachrichten anscheinend nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren, nun eben hier auf meinen eigenen Seiten. Ich beziehe mich auf diesen Artikel:

Ja, der Milch-Protest spaltet die Landwirte. Die ca. 10% der überliefernden Landwirte, die sich nicht an die noch bestehende Quotenregel halten, die ohne Lieferrechte melken und alllen anderen die Preise durch ihr wirtschaftlich unsinniges Handeln in den Keller drücken, spalten sich von den ca. 90% derer, die eine allerortens übliche an den Markt angepasste Mengensteuerung etablieren möchten.
Und? Was ist daran jetzt schlimm? In einer Demokratie geht es immer um Mehrheiten und nicht um Einigkeit. Würden die Milchbauern, wie so oft schon vorgeschlagen, aber immer und von jedem abgelehnt, neutral befragt werden, welchen Weg sie vorziehen würden, der Weg wäre klar geworden. So aber ist es ein leichtes, denjenigen, die die Mehrheit bilden, vorzuwerfen, dass man so nicht handeln dürfte, wie sie es jetzt tun. Die Bauern waren lange friedlich. Und hartnäckig haben sie ihre Wünsche und Forderungen immer und immer wieder der Politik, der Meiereiwirtschaft und allen anderen Verantwortlichen unterbreitet. Es wäre Zeit genug gewesen, zu handeln. Oder auch nur Gesprächsbereitschaft zu zeigen. Da dem nicht so war, bleibt jetzt nur der Weg, die Dinge selber in die Hand zu nehmen und mehr Druck auszuüben. Bevor es zu spät ist und die Mehrheit der Bauern in diesem Land und in der ganzen EU nicht mehr existieren.
Und da sollte jeder sich hüten, der ethische Bedenken äußert. Denn einen ganzen Wirtschaftsbereich am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen ist ethisch viel bedenklicher, als ein Lebensmittel zu vernichten, von dem man nicht mehr leben kann! Erst recht, wenn man bedenkt, dass durch das Handeln der Politik und des DBV die Nahrungsmittelversorgung stark gefährdet wird. Auch der Umwelt- und Tierschutz wird zu kurz kommen, wenn denn der Rest der Nahrungsmittelerzeugung erst in Händen weniger Großindustrieller sein wird. Und genau das ist das Ziel des DBV! Genauso wird der Tourismus in diesem Lande leiden, denn die blühenden Landschaften, die Knicks, die ganze Kulturlandschaft wird sich massiv verändern, wenn der vom DBV propagierte Weg beibehalten wird. Die Mehrheit des Wahlvolkes hat dies durchaus verstanden und unterstützt die streikenden Bauern. Zufrieden ist mit den Mitteln, zu denen gegriffen werden muss, niemand. Weder die streikenden Bauern noch das Volk. Es gibt aber keine Alternativen, solange die Politik weiter einen nicht marktwirtschaftlichen Weg verfolgt, der ihnen vom DBV als marktwirtschaftlich verkauft wird.
Georges Pompidou sagte einmal: Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen, Wetten und der Rat von Fachleuten. Die Bauern haben es erkannt und viele von ihnen sind bereits aus dem Bauernverband ausgetreten. Nun ist die Politik an der Reihe, diesen falschen Beratern zu kündigen. Denn sonst werden sie am Wahlabend ihren Ruin erleben!

Dienstag, 15. September 2009

Meiereiaktionstag in Hohenweststedt und Barmstedt

Am heutigen Dienstag trafen sich um 10 Uhr ca. 35 Bauern vor der Meierei Nordmilch in Hohenweststedt.

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Sie versperrten die Abfahrtswege für die LKWs, um auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen und sich gegenüber den streikenden Franzosen solidarisch zu zeigen.

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Nicht, um die Produkte der Meierei nicht in den Handel zu lassen, sondern weil ein Gespräch gesucht wurde. Egal, wo die Bauern hinkommen und Fragen stellen oder ihre Forderungen nach marktwirtschaftlich flexiblen Mengensteuerungen anbringen wollen, heißt es, sie seien am falschen Ort und der jeweils angesprochene gar nicht zuständig. Dies wollen sich die Bauern nicht mehr gefallen lassen, denn zuständig ist jeder in der ganzen Wirtschaftskette. Der Lebensmitteleinzelhandel genauso wie die Meiereien und Genossenschaftsverbände. Auch die Politik trägt ihren Anteil an den Entscheidungen, die zu den verheerenden Entwicklungen in der Milchwirtschaft  geführt haben.

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Als eine der größten Meiereien ist die Nordmilch auch an Entscheidungsfindungen im Marktgeschehen beteiligt und kann sich daher nicht herausreden.

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Die spontane Aktion war sehr friedlich, die Polizei zuvorkommend und verkehrsregelnd. Sie hat die Bauern auf rechtliche Belange hingewiesen, bevor es zu etwaigen Anzeigen kam.

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Begleitet wurden die Bauern von einem Trekkerkorso, der sich durch Hohenweststedt hin und her bewegte. Im Schritttempo. Der Verkehr wurde verlangsamt, aber nicht wirklich beeinträchtigt. Informationsblätter wurden an Passanten und vorbeifahrende Autos verteilt. Symphatiebekundungen waren auch heute Standard.

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SIlage wurde vor die Haupteinfahrt der Meierei gekippt. Getreu dem Motto des Tages: Macht Euch Eure Milch doch selber! Denn die Bauern wollen keine Milch mehr herstellen bzw. für unter kostendeckenden Preise verkaufen. Und wenn die Meiereien eben den Hals nicht voll kriegen können in dem sie nach immer mehr und immer billigerer Milch rufen, so sollen sie sie doch selber herstellen. Wenn sie es billiger können.

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Nachdem die Meierei mit Schadensersatzklagen drohte, weil der Schaden nach nur zwei Stunden langsam in die Millionenhöhe gehen könnte, mussten die verstreuten Teilnehmer mühsam darüber unterrichtet werden, den Platz des Geschehens zu verlassen. Und so brachen sie dann mit Verzögerung um ca. 13 Uhr auf, friedlich wie sie gekommen waren.

Weil aber die Bauern noch nicht den Mut aufgegeben hatten, trafen sich viele vor der Meierei Barmstedt wieder.

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Der Meiereichef war zufällig vor Ort und sprach in aller Ruhe mit den Bauern. Er ließ sich auch nicht von der von einem aufgebrachten LKW-Fahrer herbeigerufenen Polizei beeindrucken. Und so wurden sachgemäße Argumente ausgetauscht, was vielerortens nicht mehr möglich ist.

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Unteranderem, dass die Situation auch für die Meiereien nicht einfach sei, man allerdings laut Satzung eine Abnahmeverpflichtung auch überlieferter Milch habe. Und Satzungsänderungen wären nur mit dreiviertel Mehrheit der Genossen möglich. Da aber die Bauern selber nicht alle einer Meinung seien, hätte solch ein Anliegen wenig Aussicht auf Erfolg. Und so ging man nach einer Stunden auseinander, nachdem die Argumente gewechselt waren.

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Sonntag, 23. August 2009

Experten?

Ja, dieser Begriff wird in der Milchpreisdiskussion und anderen Bereichen recht inflationär gebraucht, wenn es um kluge Ratschläge geht. Da wird es Zeit, einmal näher zu beleuchten, wer oder was Experten eigentlich sind.

Als Quelle wähle ich ausnahmsweise Wikipedia. Ich weiß, das es keine absolut zuverlässige Quelle ist, doch werden Fehler auch sehr schnell beseitigt. Und vor allem, es wird verständlich geschrieben, was man nicht von allen Abhandlungen sagen kann.

Als Experten werden dort Fachkundige und Sachkundige angeführt. Also solche Personen, die sich theoretisches wie praktisches Wissen angeeignet haben. Prinzipiell gibt es für den Expertenstatus keine Unterscheidung zwischen autodidaktisch erlerntem oder durch Lehrer vermitteltem Wissen. Experte kann sich also jeder nennen, der meint etwas vom Themengebiet zu verstehen, ohne das es eine Rolle spielen würde, wie er zu seinem Wissen gekommen ist.

Im rechtlichen Raum wird allerdings klar unterschieden zwischen Fachkundigen bzw. Fachleuten und Sachkundigen. So können Fachkundige, die sich theoretisches Wissen erarbeitet haben, höchstens privatrechtlich belangt werden, sollten sie Falschaussagen treffen. Etwa durch Verleumdungsklagen.

Als Zwischenschritt gibt es allerdings auch Fachkundige, die bestimmte Prüfungen ähnlich der Sachkundigen abgelegt haben. Für diese gelten die gleichen rechtlichen Rahmen wie für die Sachkundigen, auch wenn sie keine komplette Ausbildung durchlaufen haben. Aber eben auch nur für diese einzelnen Gebiete, in denen sie Befähigungsnachweise abgelegt haben.

Ein Sachkundiger dagegen hat meistens eine entsprechende Ausbildung. Und damit eine staatlich anerkannte Sachkunde bezeugt. Er hält entsprechende Ausbildungs- und Befähigungsnachweise in Händen, die erklären, das er alle für seinen Beruf geltenden Vorschriften und Normen erlernt hat und beachten muss. Sollte ein Sachkundiger entgegen dem von ihm erlernten Wissen handeln, so könnte dies durchaus empfindliche Konsequenzen strafrechtlicher Natur haben.

Zusammengefasst: Als Experten werden Fachleute ohne praktische Ausbildung bezeichnet, die ob ihrer Aussagen und Handlungen rechtlich schwer zu greifen sind, höchstens privatrechtlich. Experten sind aber genauso Sachkundige, die rechtlich klar greifbar sind, sollten sie etwas anderes als ihr erlerntes und geprüftes Wissen anwenden. Unter “Experte” werden also völlig unterschiedliche Personenkreise zusammengefasst.

Und was soll das jetzt alles?

Nun, beim Lesen dieser Erklärungen, wer oder was Experten sind, musste ich unwillkürlich an die Berater des Bauernverbandes, an die von der Politik gefragten Experten und an diverse Professoren und Doktoren, die sich in der Sache geäußert haben, denken.

Die sind hauptsächlich Theoretiker. Sie haben ihr Wissen wer weiß wo her. Meinetwegen auch an ordentlichen Unis gelernt. Bleibt aber immer noch der fade Beigeschmack, dass sie bei allem “Expertenwissen” nicht die Wahrheit sagen müssen. Strafrechtlich sind sie nicht zu belangen, sollten sie lügen oder das Gegenteil des erlernten äußern, ob nun bewusst oder unbewusst. Sie dürfen also sagen, was sie wollen. Es muss nicht zwingend der Wahrheit oder der aktuellen Lehrmeinung entsprechen.

Dagegen sind Sachkundige, also die Bauern, die entsprechende Ausbildungen genossen und Sachkundenachweise erbringen mussten, rechtlich greifbar, wenn sie entgegen ihrer Sachkenntnis handeln. Ein Bauer dürfte also niemals gegenteiliges behaupten oder tätigen, wie er es gelernt hat, um seinen Beruf ausüben zu dürfen. Er müsste mit teils empfindlichen Strafen rechnen.

Was in meinen Augen die Aussagen so manches in den Medien zum Thema Milchpreispolitik und anderer Bereiche gefragten Experten stark relativiert. Wer rechtlich nichts zu befürchten hat, der kann sagen was er will und wie es ihm selbst am besten in den Kram passt. Mit Realität und Wahrheit muss es nichts gemein haben.

Als staatlich anerkannte Sachkundige sind die Bauern aber, und das ist eigentlich das wichtigste am ganzen Exkurs hier, per Definition genauso Experten wie die sie beratenden Fachleute!

Also, liebe Bauern, lasst Euch bloß nichts einreden von solchen Leuten. Es ist gut das es sie gibt, sicherlich, aber glaubt nicht alles, was vermeintliche Experten Euch raten. Ihr seid genauso Experten wie Eure Berater. Und andersherum sind diese Berater nicht mehr wert oder besser als Ihr selbst. Ihr müsst selber entscheiden, welche Ratschläge Ihr annehmt und umsetzt und welche nicht. Hinterfragt alles, was man Euch erzählt und überlegt auch, welche Vorteile diese Leute eventuell selber haben von dem, was sie Euch raten. Und ob Ihr selber tatsächlich Vorteile daraus ziehen könnt. Niemand sorgt sich darum, dass andere mehr Geld verdienen sollen, wenn sie selber keinen Profit daraus schlagen können. Denn eines ist gewiss: in der Marktwirtschaft gibt es keine Nächstenliebe!  

Sonntag, 26. Juli 2009

Neuer Veranstaltungskalender

So, nach etlichem hin und her gebastel steht jetzt die funktionstüchtige Testversion des Kalenders für die Wahlkampftermine in Schleswig-Holstein bereit.
Er sollte noch um die Termine aus Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern erweitert werden. Mit der Option auf bundesweite Termine und andere Veranstaltungstermine.
Jeder, der mal nachgucken möchte, bitte schön:

http://mvh-aktionskalender.blogspot.com

Und auch die dazugehörige eMail-Adresse <40cent@gmx.net> funktioniert schon. Über diese Mail-Adresse nehme ich Termine zur Einpflegung in den Kalender an. Denn alles kann auch ich nicht alleine raussuchen. Außerdem scheinen bei vielen auf den Parteiseiten angegebenen Terminen diverse Details zu fehlen. Wenn also jemand genauere Informationen zu bestehenden Terminen hat oder von neuen gehört hat: immer her damit. Um so vollständiger und genauer wird der Kalender. Und das kommt allen zugute.

Freitag, 17. Juli 2009

Milchbauern besuchen Genossenschaftsverband

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Heute gegen Mittag haben sich erneut die Milchbauern getroffen. Dieses Mal vor der Geschäftsstelle des Genossenschaftsverbandes in Rendsburg. Dort waren die Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden sowie die Geschäftsführer der in Schleswig-Holstein ansässigen Meiereigenossenschaften zugegen, um eine bundeslandweite Mutter-Genossenschaft bzw. Erzeugergemeinschaft ins Leben zu rufen.

Die “Schleswig-Holstein Milch eG” soll dazu dienen, höhere Preise zu erzielen, durch eine entsprechende Bündelung der Milchmenge ganz Schleswig-Holsteins. Nach den Vorstellungen der Meiereien soll sich durch Bündelung, langfristigen Lieferverträgen zwischen Molkereien und der neuen Schleswig-Holstein Milch eG, besserer Auslastung der freien Produktionskapazitäten und Vermarktung von freien Versandmilchmengen die Planungssicherheit der einzelnen Partner verbessern.

Sofern die Vorstände, Aufsichtsräte und Mitglieder der Meiereigenossenschaften für die Gründung einer übergreifenden Gesellschaft stimmen könnte diese bereits im Herbst diesen Jahres gegründet werden und ab dem 1.1.2010 das Geschäft aufnehmen.

Die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit soll durch diese neue Genossenschaft gestärkt werden. Und auch die Marktmacht gegenüber dem Einzelhandel soll so zunehmen.

Und was heißt das nun für die Milchbauern? In erster Linie das, was oben steht. Die Meiereien werden mächtiger. Solange sie ihre zugewonnene Macht gegenüber dem Einzelhandel an die Bauern weitergeben wäre alles in Ordnung. Allein, mir fehlt der Glaube.

Das, was die Meiereien, sollten sie die Zustimmung für die Gründung der Schleswig-Holstein Milch eG erhalten, als allererstes mit ihrer neuen Macht tun werden ist, so fürchte ich, ihren eigenen Vorteil zu ziehen. Endlich haben sie wieder Möglichkeiten zu wachsen von den Mehreinnahmen gegenüber dem Einzelhandel durchgesetzt. Die Bauern werden kaum davon profitieren. Denn die Bauern erhalten diese neue Marktmacht nicht. Sie werden weiterhin klein gehalten, als reine Lieferanten. Produktionsmengen und Preise werden weiterhin von anderen vorgegeben.

Interessant war, was der Dipl.-Ing. agr. Dr. Otto zu den Bauern, die sich ihm in den Weg stellten als dieser den Ort des Geschehens verlassen wollte, sagte. Seines Zeichens ist er im Genossenschaftsverband für den Bereich Beratung/Betreuung Milch zuständig. Auf die Fragen hin, was er denn für die Bauern erreicht hätte in der Sitzung, oder auch nur erreichen wolle in Zukunft, bekundete er, das er doch gar nicht zuständig wäre für derlei Forderungen und Wünsche seitens der Bauern nach Mitbestimmung im Markt, nach einer Mengenregulierung trotz und nach der Quote. Nein, er nannte die Schuldigen an der Misere beim Namen. Nämlich uns, die Bauern. An uns läge es doch, das zu viel Milch auf dem Markt wäre. Und alleine an uns läge es, die Milchmenge zu reduzieren. Wir bräuchten nur weniger produzieren. So einfach ist es für den Dipl.-Ing. agr. Dr..

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Es kam nur wieder die ewige Zuständigkeitsdiskussion. Egal, wen man fragt, ob nun die Gastgeber oder die Meiereivertreter, oder wie früher auch schon die Politiker, niemand ist zuständig, niemand fühlt sich gerechtfertigter Weise angesprochen. Immer sind es die anderen. Mal der eine, mal der andere. Nur um Himmels Willen nicht man selbst. Solche Äußerungen halte ich ja für Faul- und Feigheit. Der Terminkalender ist schließlich schon voll genug, da muss man sich doch nicht auch noch mit den Bauern rumärgern. Das Problem löst sich mit der Zeit von ganz alleine. Und solange man seinen Posten, mit sicherlich nicht geringem Gehalt, sicher hat, wozu sollte man sich irgendwo in mächtigen Kreisen unbeliebt machen. Lieber die kleinen Bauern verärgern. Deren Stimme wird von ganz alleine immer leiser, mit der Zeit, die sie einem Markt überlassen werden, an dem sie nicht teilnehmen dürfen.

Nein, erwarten kann von diesen Leuten nichts. Sie kungeln lieber unter sich aus, was ihnen zum Vorteil gereicht. Wer weiß, vielleicht bleiben ja tatsächlich ein paar Brotkrumen bei den Bauern hängen. Wetten möchte ich darauf aber lieber nicht.

Update: Dr. Otto gab später kund, er wolle einen Termin mit dem BDM machen. Hoffentlich hält er sein Versprechen. Und auch die von uns vorbereiteten Infoblätter  zur Situation am Milchmarkt hat er in der Sitzung verteilen lassen. Es ist immer gut, wenn alle Beteiligten alle Infos zur Verfügung haben. Es gibt immer Dinge, die man übersehen kann. Dann ist es hilfreich, wenn man auch andere Sichtweisen berücksichtigt. Und Informationen tun nicht weh und schaden niemandem. Was man damit anfängt, darauf kommt es an.

Auch der Chefredakteur von top agrar, Herr Achler, wurde auf dem Weg in die Pressekonferenz angesprochen. Wer wir denn seien, wollte er wissen. Es gab aber offensichtlich kein Interesse, mit den Bauern, mit den Betroffenen, mit den Markt-unbeteiligten zu reden. Schade eigentlich. Man sollte meinen, dass wenigstens nach der Pressekonferenz noch fünf Minuten Zeit gewesen wären, um ein kurzes Statement aufzunehmen.

Die Kaltschnäuzigkeit, sich unangesprochen an den Bauern vorbei mogeln zu wollen, das unverschämte Grinsen des Dr. Otto, die spätere doch noch zugestandene Diskussionsbereitschaft, wenn auch ohne wirklich zuzuhören werte ich als

Note: 4-

Dienstag, 14. Juli 2009

Bundeskartellamt “droht” mit Bußgeldverfahren

Soweit ist es gekommen. Mal wieder meldet sich das Bundeskartellamt zu Wort in der Diskussion um kostendeckende Milchpreise. Und bekräftigt, das ein Bußgeldverfahren während des Milchlieferboykotts im letzten Jahr nur aufgrund ihres “Ermessensspielraumes” nicht eingeleitet wurde. Was bei einem neuerlichen Milchstreik allerdings nicht mehr der Fall sein würde.

Im Zuge der Liberalisierung des Milchmarktes würde es strukturpolitische Probleme gerade in kleineren Milchviehbetrieben geben. Ein Eingriff in den Wettbewerb, wie der vom BDM propagierte Einheitspreis sei jedoch nicht mit dem Kartellrecht vereinbar.

Mal wieder hat das Kartellamt nicht kapiert, worum es geht. Und zieht völlig falsche Schlüsse. Und auf diese beruft es sich noch für zukünftig mögliche Sanktionen. Peinlich. Weder der BDM noch sonst jemand fordert einen Einheitspreis. Das ist Blödsinn. Es müssen nur kostendeckende Preise erzielt werden. Über die Mittel dazu lässt sich streiten. Über die bloße Tatsache kostendeckender Preise aber nicht. Dies hat das Kartellamt so ähnlich auch schon früher bestätigt, in dem sie den Discountern untersagt hat, unterhalb des Einkaufspreises zu verkaufen. Ein Einheitspreis ist marktwirtschaftlicher Unsinn. Nur um die Kostendeckung geht es. Und so muss ein Mindestpreis den jeweiligen Anforderungen in Betracht auf die Herstellungskosten sowie Futtermitteleinkaufspreise etc. angepasst werden. Den Markt, den Wettbewerb würde dies nicht aushebeln. Der Wettbewerb wäre lediglich gezwungen, oberhalb des Mindestpreises stattzufinden.  Anderenfalls müsste eine entsprechende am Markt orientierte Mengensteuerung einen solchen Mindestpreis erzwingen.

Und genau dem möchte das Bundeskartellamt auch gleich entgegenwirken. Es argumentiert, dass das 2007 gegründete Milch Board zwar eine anerkannte Erzeugergemeinschaft wäre, die nach dem Marktstrukturgesetz, das genau solche grundsätzlich vom Kartellverbot freistelle, erlaubt sei. Aber eben doch sehr kritisch beurteilt würde, weil es zur Aufgabe hätte, so viel Milch zu bündeln, das dadurch der Wettbewerb ausgeschaltet würde. Nun, wenn das Kartellamt alleine Möglichkeiten beanstanden will, warum hat es dann die Gründung dieser Erzeugergemeinschaft zugelassen? Nur, weil es hoffentlich nie zu einer entsprechenden Bündelung kommen solle? Nein, solche Argumente halte ich für sehr weit hergeholt. Hat das Kartellamt wirklich etwas an der Wirkmethode einer marktstrukturgesetzkonformen Erzeugergemeinschaft auszusetzen, so hätte es bereits die Gründung ob der Möglichkeiten untersagen müssen. Im Nachhinein, weil es eben doch funktionieren könnte, zu sagen, das wäre nicht in Ordnung, ist etwas das es nicht geben dürfte in einem Rechtsstaat.

Davon unabhängig halte ich persönlich es für sehr unwahrscheinlich, das ein etwaiger Einspruch des Bundeskartellamtes gegen einen neuerlichen Milchlieferboykott, so er denn überhaupt stattfinden sollte, vor Gericht Bestand hätte. Sofern kein ausdrücklicher oder auch nur zweifelhafter Aufruf zu einem Streik von Seiten des BDM oder irgendwem sonst kommt, wäre es die unternehmerische Entscheidung jedes einzelnen Bauern, keine Milch mehr abzuliefern. Und dann ist das Bundeskartellamt schlicht nicht zuständig. Jedenfalls würde ich gerne sehen, wie das Kartellamt dagegen rechtlich vorgehen wollte.

Interessant ist nebenbei, dass das Kartellamt ein 1,2 Millionen schweres Bußgeld gegen Apothekerverbände verhängt hatte, weil diese dazu aufgerufen hatten, den Pharmagroßhändler, dessen Mutterkonzern die Billig-Versandapotheke Doc Morris aufgekauft hatte, zu boykottieren. Andererseits allerdings sieht das Kartellamt in der telefonischen Übermittlung von Tankstellenpreisen keine wettbewerbswidrige Preisabsprache. Es begnügt sich damit, sicherstellen zu wollen, das solcher Informationsaustausch in Zukunft unterlassen wird. Weshalb so sparsam in den Maßnahmen? Weil es sich um Mineralölkonzerne handelt? Weil diese größer und mächtiger sind, als es Apothekerverbände sind? Ist es wirklich so, wie es scheint, dass das Bundeskartellamt sich die kleineren härter zur Brust nimmt als die größerem? Das würde zumindest erklären, warum das Kartellamt die letzten Zusammenschlüsse unter großen Einzelhandelskonzernen zugelassen hatte. Und auch, weshalb es ohne ersichtliche Gründe den Bauern schon vorab “drohen” will.

Dafür, dass das Bundeskartellamt immer noch nicht kapiert hat, wo und wie der Hase läuft, also der tatsächlichen Verfehlung des Themas, und der unterschiedlichen Maßstäbe, die angesetzt werden,  vergebe ich eine

Note: 5

Darf ich sie herzlich bitten…

noch einmal darüber nachzudenken, ob sie sich nicht beteiligen wollen an dieser Solidarität?

Das fragt der Bauernverbandspräsident Werner Schwarz die Leserschaft des Bauernblattes. “Denn je mehr Mitglieder der Berufsverband hat, desto leistungsfähiger ist der Bauernverband”.

Ich habe es schon mal geäußert. Dem Bauernverband schwimmen die Felle davon. Zahlreiche Austritte, Kündigungen, auch immer wieder massenhaft zelebriert, bringen den Verband und seine Bonzen langsam ins Schwitzen. Und je mehr Mitglieder zu Nichtmitgliedern werden, desto weniger kann der Bauernverband seine Vormachtstellung demonstrieren. “Bauernverband als Interessenvertretung aller Landwirte” schreibt er. Allen ernstes? Herr Schwarz sollte langsam gemerkt haben, das sein Verband eben nicht die Interessenvertretung aller Landwirte ist. Ganz im Gegenteil. In erster Linie ist er ein Interessenvertreter der Nahrungsmittelindustrie. Und die will viel an mehr Kunden verkaufen. Das geht natürlich nur, wenn die Produkte billig sind. Und genau damit handelt er entgegen der Interessen der Landwirte.

Das der Bauernverband nun aber schon so verzweifelt ist, das er im Bauernblatt um Mitglieder werben muss, ist bezeichnend. Und peinlich. “Ich möchte alle unsere Berufskollegen, die noch nicht Mitglied sind (Anmerkung der Redaktion: oder nicht mehr Mitglied sind") bitten, mögliche Vorbehalte beiseite zu schieben und sich durch die Mitgliedschaft im Bauernverband solidarisch zu erklären”, so Herr Schwarz. Vorbehalte beiseite schieben, so so. Also vorbehaltlos Mitglied werden. Ja, das kann ich mir denken, das gerade solche Mitglieder dem Bauernverband am liebsten sind.

“Ich darf ausdrücklich sagen, dass es nicht darum geht, dass alle Mitglieder in einem Berufsverband einer Meinung sein müssen. Im Gegenteil: Unsere Verbandsarbeit lebt vom Austausch der unterschiedlichen Meinungen und Argumente, um das beste Ergebnis zu finden. Natürlich gibt es auch zum Ergebnis einer Diskussion unterschiedliche Meinungen. Nur: Wer nicht Mitglied ist, kann die Diskussion, die Willensbildung und die künftigen Beschlüsse nicht mitbestimmen.”

Ach, wenn dem nur so wäre. Ich habe es noch nicht erlebt, dass ich im Bauernverband etwas zu sagen hätte oder meine Meinung auch nur irgendwie in einer Diskussion angehört worden wäre. Mitbestimmen? Meiner Kenntnis nach hat der Bauernverband zumindest in den letzten Jahren nicht wirklich auf die Meinungen seiner Mitglieder gehört. Genau aus diesem Grunde sind ja so viele ausgetreten. Weil sie nicht angehört werden. Warum also sollte man jetzt wieder eintreten in diesen Verband, der sich so wenig um seine Mitglieder und so viel um ganz andere Interessenvertreter kümmert?

Werner Schwarz beruft sich auf die Milcherzeugervollversammlung in Neumünster. Dem Ereignis, das zur Eröffnung dieses Blogs geführt hat. Es wäre ein sieben Punkte umfassender Forderungskatalog aufgestellt worden an diesem Tag. Gut, das viele Bauern anderer Meinung waren schreibt er nicht. Auch nicht, das die vom Verband angeblich so geliebten Diskussionen in Neumünster nach kurzer Zeit für beendet erklärt wurden, weil nur gegenteilige Meinungen aus den Reihen der anwesenden Bauern kamen.

Die bereits erreichten Punkte aus dem Forderungskatalog führt er auf. Wohl um zu zeigen, wie viel der Bauernverband doch schon für alle Landwirte bewirkt hat. Als erstes die Senkung des Steuersatzes auf Agrardiesel auf nur noch 25 Cent. Eine Wahnsinnsleistung. Andere Länder geben den Agrardiesel noch immer für unter einem Cent her. Schwarz rechnet vor, das gerade die Milchviehbetriebe mehr davon profitieren würden als Ackerbetriebe. Um der Argumentation der Gegner Wind aus den Segel zu nehmen, gro0e Ackerbaubetriebe wären die Hauptprofiteure. Das er aber zwei Betriebe mit jeweils 150 ha vergleicht, einen Milchvieh- und einen Ackerbaubetrieb, ist schon etwas merkwürdig. Ich kenne jedenfalls keinen reinen Ackerbaubetrieb, der bei einer Größe von 150 ha überleben kann. Auch das der Milchviehbetrieb einen Dieselaufwand von 135l/ha hat gegenüber dem Ackerbaubetrieb mit nur 80l/ha ist auffällig. Ich hätte vermutet, die Betriebsstrukturen hätten bestenfalls gleiche Dieselaufwände. Aber da mag ich mich auch irren.

Der Milchviehbetrieb solle so durch die Senkung des Steuersatzes von knapp 1800 Euro im Jahr Steuererstattung profitieren. Der Ackerbaubetrieb hingegen nur von knapp 800 Euro. Ja und? Was sind denn 1800 Euro im Jahr? Bei einem Milchviehbetrieb mit 150ha gehe ich mal grob von einer Quote von 1 Million kg aus. Bei einer Milchpreisdifferenz von aktuell 18 Cent auf nur milde gestimmte 35 Cent, die mindestens drin sein müssen für eine kostendeckende Produktion ergäbe das Einbußen von 170000 Euro im Jahr. Nur durch den völlig abstrusen Milchpreis. Was sind denn nun Einsparungen von 1800 Euro gegenüber Mindereinnahmen von 170000 Euro? Eine tolle Leistung des Bauernverbandes? Wohl kaum. Das ist genauso spannend, als wenn beim Aldi ein Tetrapak platzt.

Zum zweiten hätte der Bauernverband erreicht, das die EU 70% der Direktzahlungen schon vorgezogen am 16. Oktober auszahlt. Ja Wahnsinn. Wem hilft es, wenn die Subventionen etwas früher kommen? Es ist kein Aufwärtstrend in Sicht beim Milchpreis. Das Geld fehlt dann halt später. Mehr gibt es dadurch nicht. Mehr wäre gegenüber dem Steuerzahler auch nicht zu vertreten. Da könnte der Milchkäufer auch gleich selber etwas tiefer in die Tasche greifen, anstatt billig zu kaufen und teuer Steuern abzudrücken, die an die Bauern bezahlt würden.

Eine Regelung bei der Erbschaftssteuer, die entgegen dem Bundesverfassungsgericht die Erbschaftssteuer bei Hofübergabe auf Null setzt wird als dritter Punkt angeführt. Das war allerdings schon Thema bevor die Milchmisere so richtig aufkam. Ein alter Hut, der nichts mit dem aktuellen Bedürfnissen in der Krise zu tun hat, wird hier als Wirken betitelt. Peinlich. Und Peanuts.

Punkt 4: Liquiditätshilfen. Super. Die Bauern dürfen jetzt offiziell noch mehr Schulden machen. Und wofür? Damit der Handel uns weiter aufs Kreuz legen kann. Und wir weiterhin für unter Aufwandskosten produzieren dürfen.

Punkt 5: Beitragssenkungen bei der landwirtschaftlichen Krankenkasse. Durch Bundeszuschüsse. Hallo, lieber Steuerzahler, herzlichen Dank dafür, das du uns so tatkräftig unterstützt. Das der Bauernverband sich nicht schämt, solche Peanutsbeträge als Leistung in einer Krise auszugeben…

Und das sollen alles große Leistungen in einer Krise sein und dazu führen, dass mehr Landwirte Mitglied des Bauernverbandes werden. Gerade, wo so viele austreten, eben weil sie sich nicht vom Bauernverband vertreten fühlen. Solche Bastelarbeiten an populären Stellen bringen nichts, rein gar nichts, wenn es nicht eine funktionierende Mengensteuerung gibt! Sie verzögern das Höfesterben nur und machen es noch schlimmer.

Lieber Bauernverband, ich fürchte so wird das nichts. Ihr müsstet schon andere Meinungen in Euren Kreisen zulassen und anhören. Und auch entsprechend handeln. Vorher sehe ich für Euch schwarz, Herr Schwarz.

Für die Peinlichkeit dieser verzweifelten Bitte um Mitgliedschaft in diesem Verein, der nur eigene Interessen vertritt und die traurige Argumentation dafür vergebe ich eine

Note: 4- (Versetzung stark gefährdet)

Samstag, 4. Juli 2009

Peter Harry, wir kommen

Gestern Mittag fand vor der Staatskanzlei in Kiel eine weitere Demonstration der Bauern statt. Man wollte sich mit Peter Harry Carstensen unterhalten und die Forderung nach einer verbandsübergreifenden Umfrage bei allen Milchbauern zur gewünschten Wirkrichtung überbringen. Aufgerufen hatte der Bund deutscher Milchviehhalter dazu, da der konkurrierende Bauernverband in der Milchpreisdiskussion immer wieder behauptet, er wäre mit seiner betriebsgefährdenden Richtung der führende Meinungsvertreter der Bauern. Und solch ein Verbandszerfleischen ist einerseits unsinnig angesichts der Problematik in der Milchwirtschaft und andererseits auch alles andere als zielführend. Eine von übergreifender Stelle durchgeführte bundesweite Umfrage bei allen Milchviehhaltern und Bauern überhaupt sollte Klarheit über die gewünschte wirtschaftliche Richtung der Unternehmer bringen.

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Nun ja, Peter Harry war dann leider nicht im Hause. Er war in dringenden Angelegenheiten nach Kopenhagen aufgebrochen. Oder aber, nach unbestätigten Meldungen, im Urlaub am Schliersee. Ein Vertreter, im offensichtlich maßgeschneiderten Anzug, hörte sich die Forderungen der Bauern an. Mehr aber auch nicht. Mehr, als das Gehörte an die gewünschten Hörer weiterzuleiten, wollte er nicht. Und konnte er nach eigenen Angaben nicht, da er von Landwirtschaft keine Ahnung habe, so jedenfalls seine Worte. Schon etwas peinlich, denn auch als Lakai hätte er sich selbst in der kurzen Zeit, die wir dort waren, über grundlegende Aspekte der Problematik schlau machen können, um wenigstens ein grobes Statement abgeben zu können. Kann man anscheinend nicht verlangen, so kurz vor einer wichtigen Wahl, und schon gar nicht von der CDU, die sich zu solch einem Thema am liebsten gar nicht äußert, um nicht die meist notorischen CDU-Wahler unter den Bauern zu verärgern. Und das ginge sehr gut, wenn man sich alleine Frau Merkels letzte Rede ins Gedächtnis ruft. Monatelang kein Statement zu den Bauern, und dann kam etwas, das offensichtlich der Bauernverband für sie geschrieben hatte. Die Wortwahl hatte jedenfalls auffällig viele Ähnlichkeiten mit dem, was der Bauernverband äußerte in letzter Zeit. Und damit macht man sich momentan wahrlich keine Freunde unter den Bauern.

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Und so verpuffte die Aktion des Milchverschüttens vor der Staatskanzlei ein wenig. 100 Liter Milch wurden in einem symbolischen Fass in Darstellung des Milchmarktes zum Überlaufen gebracht. Milch im Wert von 18 Euro. Tja, wenn sich melken nicht mehr lohnt, dann kann man die Milch auch mal wegschütten. Je billiger die Milch wird, umso mehr. Der Verlust ist ja nur ein geringer. Und auch die vielen nackten Bäuche der Bauern und Bäuerinnen, mit dem Schriftzug “-5%, also der Aufforderung die letzte Quotenerhöhung zurückzunehmen, führte zu keinen Anzeigen wegen Erregung  öffentlichen Ärgernisses. Bleibt der Bauern Trost, das die verschüttete Milch auf der Rasenfläche vor der Staatskanzlei, aufgrund des tropischen Wetters, wohl schon am selben Abend mächtig sauer gestunken haben wird.

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Bauern sind ja prinzipiell ein friedliches Völkchen. Lässt man ihnen ihre Arbeit, so haben sie meist auch gar keine Zeit, auf dumme Ideen zu kommen. Nach der kurzen Bezeugung des Vertreters, das Gehörte weiterzuleiten, unter Protesten der Bauern und der Aufforderung, Stellung zu beziehen, wurde die Veranstaltung vom BDM für beendet erklärt. Es war getan, wozu man gekommen war. Allerdings ging es dann noch inoffiziell weiter, nach dem die Veranstaltungsleitung das Gelände verlassen hatte. Was hätte man auch tun sollen? Nach Hause fahren und melken? Wo es sich doch überhaupt nicht lohnt? Mit jeder Melkzeit nur weitere Verluste eingefahren werden? Nein, die Bauern hatten keine Lust, wieder an die Arbeit zu gehen. Es war ihnen mehr nach einer kleinen Gartenparty. Und Lagerfeuerromantik, wenn die Realität in den Betrieben schon so wenig romantisch ist.

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Und wenn man schon mal dabei ist, öffentlich Unfug zu treiben, die anwesende Polizei mehr oder minder auf der eigenen Seite steht oder zumindest friedlich bleibt, warum dann nicht auch noch die Straßen sperren? Gesagt, getan. Genügend große Gerätschaften waren vorhanden und der Verkehr rund um den Sitz des Ministerpräsidenten war zum Erliegen gekommen. Mit größten Teils rührendem Verständnis des übrigen Volkes. Bis auf eine abschätzige Bemerkung einer Dame, die vergebens an der gegenüberliegenden Bushaltestelle wartete kam mir jedenfalls nur Zustimmung und Verständnis entgegen. Aber diese eine Gute trollte sich immerhin recht schnell, als man ihr zu denken gab, wie oft alle möglichen anderen Berufsgruppen streiken würden. Auch die Polizei begnügte sich damit, den Verkehr umzuleiten. Und natürlich, die auf den Kreuzungen abgestellten Schlepper per Videokamera festzuhalten. Wohl für eine spätere Strafverfolgung. Sei´s drum. Was hat der Bauer schon zu verlieren? Wenn der Betrieb hoch verschuldet ist, keine Aussicht besteht irgendwann wieder Geld zu verdienen mit seiner Hände Arbeit, dann kann es schnell sein, das die öffentliche Hand in leere Taschen zu greifen versucht.

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Nach dem die Bauern offensichtlich nicht weichen wollten kam der Ministerpräsidentenvertreter ein weiteres mal aus der Staatskanzlei heraus. Entscheidendes ergab das zwar auch nicht, aber immerhin haben “die da” mal gemerkt, das wir auch anders können und nicht so schnell aufgeben. Die Nachricht, das noch etwas gesagt werden solle führte jedenfalls fast zu einer Stürmung der Staatskanzlei. Die Polizei bewachte die Eingangstür allerdings zahlreich. Was eigentlich nicht nötig war, denn Gewalt ist bekanntlich auch keine Lösung. Bei gleichbleibender Kaltschnäuzigkeit und Ignoranz der Volksvertreter bei Folgeveranstaltungen dürfte es aber schwer werden, ein Umdenken der Demonstranten zu verhindern. Das nichts getan wird von politischer Seite ist das eine, das aber nicht einmal von den eigentlich angesprochenen zugehört wird ist etwas ganz anderes. Da verwundert es nicht, das dem einen oder anderen die Wut hoch kommt.

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Und so wurden nach erneuter Abfuhr aus den politischen Reihen die noch verbliebenen Reste Milch entsorgt. Auch so gelingt eine Mengenreduzierung, wenn bei jeder Veranstaltung, bei jeder Demo Milch verschüttet wird. Ein Tropfen auf dem, an diesem Tage wahrlich, heißen Stein. Aber doch ein Zeichen, wenn schon nicht für die Politiker so doch wenigstens für die Passanten.

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Und auch die Verkehrsteilnehmer sind nicht ganz ohne Aufmerksamkeit geblieben. Nicht nur durch unsere Sperrung, sondern auch später, durch den Treckerkorso, der sich quer durch ganz Kiel schlängelte. Immerhin wurden die Verkehrsteilnehmer so vor unangenehmen Briefen aus dem Finanzamt bewahrt. Denn während wir die ehemals von uns gesperrte Straße entlang schlichen bemerkte ich einen, wohl vorsorglich der Freigabe des Straßenzuges, aufgestellten Blitzer. Wenigstens an diesem Tage dürfte die Staatskasse nicht nennenswert bereichert worden sein. Eine Meldung ertönte dann noch im Auto, als ich bereits auf dem Heimweg war. Auf der B202 sollten die Autofahrer bitte vorsichtig sein, es würden brennende Strohballen und Reifen auf der Straße liegen. Ob dort wohl jemand seinen Müll entsorgen wollte, fragte sich der Moderator. Ich war fast versucht im Sender anzurufen und Aufklärung zu leisten. Ein herzliches Dankeschön jedenfalls an denjenigen “Müllentsorger”, das er noch ein ehr- und denkwürdiges Ende der Veranstaltung fand und hoffentlich ungeschoren davon kam.

Für den äußerst aktionsreichen Tag, die Stimmung, ob nun gut oder wütend bezeichnet liegt im Auge des Betrachters, und dafür, das so viele Bauern so lange ausgehalten haben und überhaupt erst so zahlreich erschienen waren, vergebe ich trotz des mangelnden Erfolges eine

Note: 1

Nachtrag: Ganz ohne Erfolg war  unsere Aktion scheinbar nicht. Immerhin wird es doch noch einen Termin bei Ministerpräsident Carstensen geben. Wir werden sehen, ob er offene Ohren hat und sich nicht von Verbandsstreitereien ablenken lässt.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Position des Landesbauernverbandes SH (Bauernblatt vom 27.06.09)

Du meine Güte. Ich dachte eigentlich, der Bauernverband könne sich nicht mehr dümmer anstellen. Nun gut, ich bin eines besseren belehrt worden. Hier also meine Stellungnahme, meine Ansicht zum Artikel “Weg aus der Quote nicht infrage stellen” im jüngsten Bauern(verbands)blatt. Erstaunlicherweise hat er seinen Artikel sogar selbst unterschrieben, der Bauernverband Schleswig-Holstein. Normalerweise lässt er das doch seine eigenen Schreiberlinge in der Redaktion des Bauernblattes tun. Immerhin löblich, das man dem Verband seinen Artikel jetzt direkt ankreiden darf. Finde ich sehr schön.

Ich möchte mich dringend schon mal vorab entschuldigen. Dieser Post wird voraussichtlich etwas länger werden. Denn es ist nicht damit getan, eine Gegendarstellung zu schreiben. Ich sehe mich gezwungen, jeden Satz des Artikels einzeln zu zitieren und auseinanderzunehmen. Und ich fürchte, es wird jeder einzelne Satz des Artikels werden. Meine Kommentare vernachlässigend wird also der gesamte Bauernblattartikel hier zu lesen sein. Immerhin kann man mir dann nicht Zensur vorwerfen, wenn ich mir einzelne Dinge rauspicke.

Zuallererst: im Bauernblatt wird untertitelt mit den Abschnitten des Verbandsstatements.

  • Ursachen der Krise erkennen
  • Rahmenbedingungen realistisch einschätzen
  • sachlich entscheiden
  • Zukunft gestalten

In allen vier Punkten fehlt der Landesbauernverband SH. Das aber in einer sehr schlauen, wenn auch absolutistischen und totschlagenden Argumentation.  Und wenn ich eines nicht ausstehen kann, dann sind das Totschlagargumente. Wenn man den Gegner nur noch mundtot machen will, dann hat man selber meist keine vernünftigen Argumente mehr zur Hand. Und auch hier zeigt es sich, das der Bauernverband nur dahingehend argumentiert, seine eigene frühere zweifelhafte und fragwürdige Beratung zu betriebswirtschaftlichen Entscheidungen seiner Bauern, zu rechtfertigen. Der Bauernverband kann ja auch eigentlich gar nicht anders. Denn würde er vernünftig argumentieren, dann würde er all seine früheren Äußerungen ad absurdum führen. Er wäre nicht mehr der führende Verband der deutschen Bauern. Und das darf nicht sein. Schließlich lebt der Bauernverband von den Beiträgen seiner untergebenen Bauern. Es sind ihm wahrscheinlich doch schon genügend zahlende Mitglieder abhanden gekommen, das er sich jedem Bauern und auch anderen Menschen mit etwas Ahnung von Marktwirtschaft gegenüber so lächerlich machen muss.

 

Zum Artikel im Bauernblatt, Punkt 1: Analyse

Zitat: Die Märkte für Milch und Milchprodukte in Europa und weltweit leiden zurzeit an einem drastischen Verfall der Milchpreise. Die Ursachen hierfür sind neben einem starken Nachfragerückgang, der deutlich stärker als der europaweite Produktionsrückgang ausfällt, insbesondere in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu sehen.

Finanz- und Wirtschaftskrise also. Aha. Die Milchwirtschaft war allerdings schon lange vor der Wirtschaftskrise auf Talfahrt. Ein kurzer und heftiger Preisanstieg im Herbst 2007 mit nachgehendem totalem und anhaltendem Preisverfall aufgrund damals kurzfristig zurückgegangener Nachfrage sind viel mehr Schuld. Auch, das der Bauernverband in der kurzen Hochpreisphase seine Bauern angeheizt hat, jetzt endlich zu investieren, die Produktion auszubauen. Obwohl die Nachfrage ob des hohen Preises bereits zurückging. Weniger Nachfrage bei mehr Angebot ergibt marktwirtschaftlich gesehen was? Wie? niedrigere Preise? Na sowas.

Weiter: Der rasante Preisanstieg beim Rohstoff Milch und bei den Verarbeitungsprodukten, der sich bei Butter und Pulver auf den Weltmärkten genauso vollzog wie auf den europäischen Märkten im Frischebereich und bei Käse, stimulierte die Milchproduktion weltweit.

Jaja, und hierzulande stimulierte der Bauernverband noch im besonderen Maße.

Auf der anderen Seite wirkten die zum Teil drastischen Preiserhöhungen kontraproduktiv auf der Abnehmerseite. Es gab Mengeneinbrüche beim Verkauf von Milchprodukten und ein Ausweichen auf alternative Rohstoffe in der industriellen aber auch handwerklichen Verarbeitung wie zum Beispiel bei Käseauflagen und Speiseeis.

Ach. Da der Preis sehr kurzfristig enorm in die Höhe geschossen war, nicht wirklich verwunderlich. Und in Anbetracht der Kundentäuschung, Stichwort Analogkäse, auch einfach zu vollziehen, solange die Kundschaft es nicht bemerkt. Man bedenke, wie lange es gebraucht hat, das die Problematik des Analogkäses überhaupt erst in die Medien geriet. So wie es dort momentan ausschaut wird aber, bei vermehrter Kundeninformation, wieder auf Milchprodukte zurückgewechselt werden müssen. Andererseits wird die Nachfrage bei solchen Produkten massiv zurückgehen. Und das wird relativ unabhängig vom Milchpreis geschehen, wenn die Kundschaft keine industriellen Ersatzstoffe mehr kauft.

Der derzeitige und im Einzelbetrieb Existenz vernichtende Verfall der Erzeugerpreise kann einen verstärkten Strukturwandel zur Folge haben. Gefährdet sind gerade Betriebe, die hohe Investitionen getätigt haben, um sich auf die Zukunft vorzubereiten.

Also die, die sich am intensivsten und investivsten auf die Zukunft vorbereitet haben, sind jetzt die ersten Verlierer. Die, die am genauesten den Empfehlungen und Beratungen des Bauernverbandes vertraut haben. Sollte sich der Bauernverband jetzt nicht lieber an die eigene Nase fassen, das er die Situation falsch eingeschätzt, das er falsch beraten hat? 

Aber auch zur Zeit der strikten Marktsteuerung durch die EU-Marktordnung und die Mengenbegrenzung durch die Milchquote hat es erheblichen Strukturwandel gegeben. So sind unter dem Milchquotenregime in Schleswig-Holstein seit 1984 über 10.000 Betriebe aus der Produktion ausgeschieden.

Wie bitte? Ich dachte, ich hätte mich verlesen. Aber nein, der Bauernverband schreibt tatsächlich “Milchquotenregime”. Regime, ein in heutiger Zeit äußerst negativ behafteter Ausdruck, denkt man mal an diverse Diktaturen, die gerne so bezeichnet werden. Eine Wortfindung allererster Güte. Gratulation. Und was will uns der Landesbauernverband damit sagen? Die Milchquote war eine Diktatur? Wohl kaum. Denn Quote war und ist handelbar. Jeder kann Quote verkaufen oder kaufen, so wie es der Markt hergibt. Der Quotenmarkt ist ein Markt, ist Marktwirtschaft. Wo sich die Preise nach Angebot und Nachfrage richten. Eigentlich äußerst demokratisch. Dies als Regime zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück.

Und das über 10.000 Betriebe aufgegeben haben im Strukturwandel ist angesichts der heutigen Zustände auf dem Milchmarkt geradezu lächerlich wenig. Denn immerhin bezieht sich diese Zahl auf einen Zeitraum seit 1984. Das sind 25 Jahre. Also 400 Betriebe pro Jahr, die aufgegeben haben. Und wie viele stehen jetzt vor dem Aus? Auch mehr als 10.000! Innerhalb eines (1!) Jahres. So etwas zu schreiben in der Intention, das Höfesterben wäre nicht schlimm, sondern schon lange normal, ist geradezu unverschämt! Die Verhältnisse, die hier verglichen werden sollen, liegen derart weit auseinander, das der Landesbauernverband sich diesen Satz lieber gespart hätte.

Seit dem Jahr 2003 steht der Ausstieg aus der Milchquote fest.

Hier lügt der Landesbauernverband! Nein, ich übertreibe nicht. Es ist gelogen. Glatt und unverhohlen. Der Austieg aus der Milchquote steht mitnichten fest! Nirgendwo steht geschrieben, in einem Gesetz oder sonstiger Verfügung, das der Ausstieg aus der Milchquote beschlossene Sache sei, unumstößlich und für alle Zeiten. Im Jahre 2003 wurde von der EU beschlossen, die Milchquotenregelung bis 2015 zu verlängern! Das ist etwas ganz anderes. Denn so läuft die Milchquote 2015 einfach aus, wenn, ja wenn nichts anderes beschlossen wird! Eine einzige Eingabe in Brüssel zur Prüfung, ob man die Milchquote abermals verlängern sollte, und es wird neu abgestimmt und beschlossen. Es müsste nur eine entsprechende Eingabe gemacht werden. Der Bauernverband aber tut so, als wenn der Ausstieg gesetzlich verankert wäre. Das ist schlicht falsch. Nur das kapiert der Bauernverband komischer Weise nicht. Entweder das, oder aber er lügt die Menschen an. Ich weiß wirklich nicht, was mir lieber wäre.

Alle Vorstöße zur Beibehaltung oder Verlängerung der Schutz bietenden Marktordnung für Milch sind von einer klaren Mehrheit der Mitgliedsstaaten abgelehnt worden.

Mit welcher Mehrheit? Der Mehrheit der Länder bei einer Stimme je Land? Ja, dann natürlich. Die EU umfasst mittlerweile 27 Länder. Da ist es klar, das die Mehrheit der Länder, nämlich gerade die vielen kleinen und östlichen Länder ohne nennenswerte Milchproduktion, gegen eine weitere Quotierung stimmen. Die hätten es natürlich gerne, wenn sie ihre Produktion ausweiten dürften. Am liebsten finanziell gestützt durch alle anderen Mitgliedsstaaten. Aber wie würde es aussehen wenn der Lissabonvertrag wirken würde, die EU demokratischer statt bürokratischer werden würde? Wenn die Stimmen der Länder proportional ihrer Einwohner, oder in diesem Falle proportional zur Milchmenge, aufwiegen würden? Dann würde es ganz anders aussehen. Denn wenigstens drei große EU-Länder, gerade die mit den größten Milchproduktionsmargen, würden oder könnten wenigstens für eine Verlängerung der Quote bzw. eine Neuregelung zur Mengenbegrenzung stimmen. Und damit könnten sie alle anderen Länder überstimmen.

Die politische Weichenstellung zum Abbau der Marktregulierung und zur Öffnung der Märkte ist vor dem Hintergrund der WTO-Problematik und der Abhängigkeit der europäischen Volkswirtschaften von einem freien Welthandel unumkehrbar.

Zum ersten: nichts und auch keine politische Weichenstellung ist unumkehrbar! Die nächsten Wahlen könnten schon einen Weg zur Umkehr aufzeigen. Der CDU-nahe Bauernverband könnte eventuell eine herbe Enttäuschung erfahren, wenn kaum noch ein Bauer eine Partei wählt, die den Untergang der bäuerlichen Landwirtschaft im Wahlprogramm stehen hat. So doof ist nicht mal die CDU selber, denn die äußert sich schon gar nicht mehr, jedenfalls nicht eindeutig, zu den Problemen und Lösungsmöglichkeiten des Milchmarktes. Lieber hofft sie wohl, die meisten Bauern werden sie aus reiner Gewohnheit wieder wählen.

Zum zweiten: freier Welthandel? Was ist denn das? Gibt es so etwas überhaupt schon? Ist es die weltumfassende Version der freien Marktwirtschaft? Ein unregulierter Markt also, etwas völlig hypothetisches. Es gibt weder eine freie Marktwirtschaft noch einen freien Welthandel. Wer auf solche Märchen reinfällt tut mir leid. Es gibt Annäherungen daran, ja. Aber völlig frei? Nein, so etwas gibt es nicht. Jeder Markt, national oder international, ist immer auf die eine oder andere Weise gesteuert.

 

Punkt 2 des Artikels: Rahmenbedingungen realistisch beurteilen

Wäre ja schön, wenn der Bauernverband dazu fähig wäre. Aber vorher müssen die Funktionäre dort wohl erst mal alle an Altersschwäche sterben.

Vor diesem Hintergrund müssen die unterschiedlichen Forderungen für den Milchsektor hinsichtlich ihrer Realisierungschancen und ihrer Auswirkungen beurteilt werden.

Nun denn, ich werde mir wahrlich Mühe geben, zumindest die Auswirkungen dessen was der Bauernverband vorschlägt zu beurteilen. Ach verdammt, das wird schwer. Denn eigentlich schlägt er ja überhaupt nichts vor. Er versucht immer nur die Lösungsvorschläge anderer Verbände, speziell des Bund deutscher Milchviehhalter (BDM), zu demontieren. Ohne eigene Vorschläge ist so etwas allerdings recht armselig.

Ein fester Basispreis und ein Mengenkontingent für den Einzelbetrieb oder für Regionen als hoheitliche Maßnahme sind politisch nicht durchsetzbar.

Wie weiter oben schon gesagt: dessen sollte man sich nie sicher sein. Politische Richtungen ändern sich immer mal wieder. Politik wird durch Wahlen bestimmt. Und vielleicht gehen die nächsten etwas anders aus…

Feste Mengenkontingente wie das bisherige staatliche Milchquotenregime blockieren die Betriebe in der Entwicklung, konservieren Wettbewerbs schädigend Strukturen und wirken Kosten steigernd.

Betriebe werden in der Entwicklung blockiert? Und wenn nun eine Vielzahl an Betrieben eine unternehmerische Entscheidung für eine Mengenbegrenzung treffen? Laut Bauernverband darf es die nicht geben. Blockiert dann der Bauernverband die Entwicklung der Betriebe?

Ach ja. Kosten steigernd? Die momentane Entwicklung, die auch der Bauernverband forcieren will, wirkt Einnahmen reduzierend. Eigentlich läuft das aufs selbe raus wie Kosten steigernd. Oder ist eine der beiden Varianten besser als die andere?

Ein Festhalten an einem solchen System würde die Kosten für Quoten sprunghaft ansteigen lassen und damit den angestrebten positiven Preiseffekt durch die Mengenreduzierung in hohem Maße wieder aufzehren.

Ich denke, der Bauernverband will die freie Marktwirtschaft? In einer (annähernd) freien Marktwirtschaft, in der die Bauern selber zusammengeschlossen entscheiden können, wie viel Milch zu welchem Preis produziert werden soll, und der Quotenpreis an der Nachfrage gebildet wird, ist es eine unternehmerische Entscheidung, ob es sich lohnt weitere Quote dazu zu kaufen. Das wäre wirklich Marktwirtschaft. Wenn die Milch teuer genug ist kann Quote gekauft werden. Wenn nicht, dann eben nicht. Wozu sollte auch jemand Quote kaufen können, wenn es sich nicht lohnt mehr Milch zu produzieren? Ach ja, ich weiß schon. Weil es genau das ist, was der Bauernverband seit Jahren seinen Mitgliedern rät. Und gerade jetzt, wo der Preis total im Keller ist berät er seine Bauern dahingehend, die Produktion auszuweiten, um dann “besser aufgestellt” zu sein, wenn  die Preise wieder steigen. Dumm nur, das die Preise nie steigen werden, solange die Produktion völlig am Markt vorbei immer mehr ausgeweitet wird.

In der EU wird es für feste Mengenkontingente keine Mehrheit geben.

Wowereit! Ach so, tschuldigung. Das ist Usenet-Slang für “und das ist auch gut so”. Kennt ja vielleicht nicht jeder. Nein, ein “festes” Mengenkontingent will doch nun wirklich niemand! Was gewollt und auch benötigt wird ist eine am Markt ausgerichtete Mengenregulierung. So, wie es jeder, aber auch wirklich jeder, produzierende Betrieb weltweit macht. Oder hat schon irgendjemand mitbekommen, das Porsche, nun da es denen auch schlecht geht, die Produktion angekurbelt hat, um mehr und billigere Autos auf dem Markt abzusetzen?

Ein deutscher Alleingang ist nicht denkbar und wäre angesichts des für Deutschland unverzichtbaren Binnenmarktes ein Ausverkauf unserer Milchproduktion, weil er die Gefahr einer Verlagerung der deutschen Milchproduktion in die europäischen Nachbarländer birgt.

Oh je, dieses Ammenmärchen schon wieder. Aber erstmal: nichts, rein gar nichts, ist Prinzip bedingt undenkbar! So eine Aussage ist lediglich ein Totschlagargument, das man nur nicht selber nachdenken solle. Zum Ammenmärchen: In welche europäischen Nachbarländer sollte unsere Milchproduktion denn ausweichen? Niemand, weltweit nicht, kann zu den aktuellen Preisen kostendeckend Milch produzieren! Selbst die Neuseeländer, die immer so billig waren, wandern nun schon nach Südamerika aus, weil sie zu Hause nicht klarkommen. Und in Südamerika werden sie sich auch nicht lange halten können. Nein, ganz im Gegenteil. Ein deutscher Alleingang wäre durchaus denkbar. Europa ist Milchproduzent Nummer 1 weltweit, Deutschland ist Milchproduzent Nummer 1 europaweit. Und niemand kommt mit den aktuellen Preisen klar. Was spräche also wirklich gegen einen Deutschen Alleingang? Nichts. Alle anderen europäischen Länder warten nur auf ein Zeichen, das eine Mengen- und Preisregulierung etabliert wird und funktioniert, damit sie selber etwas ähnliches aufbauen können. Die Tschechen z.B. streiken noch immer. Sie sind mit ihrem Auszahlungspreis von 20 Cent genauso unzufrieden wie wir in Deutschland. Und dann stellt sich der Bauernverband hin und behauptet unteranderem die Tschechen würden uns den Markt streitig machen? Mehr zu produzieren hilft denen genauso wenig wie uns!

Privatwirtschaftlich organisierte Mengensteuerung wird im Rahmen des European Milk Board (EMB) diskutiert. In den bisher vorgelegten Modellen dazu wird die Mengensteuerung zwar als notwendiges Element benannt, jedoch nicht dargelegt, wie sie ausgestaltet werden soll. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wer über Erhöhung oder Senkung der Produktionsmenge auf welcher Grundlage und für welche Betriebe geltend, entscheiden soll.

Das EMB funktioniert auch nur dann, wenn genügend Milchbauern teilnehmen, Mitglieder werden. Solange dieser Fall nicht eingetreten ist, ist es müßig über genaue Vorschläge zu diskutieren. Mehrere Vorschläge liegen bereits vor, allerdings wird der bevorzugte erst ermittelt, wenn genügend Bauern Mitglieder geworden sind. Und zwar auf ganz demokratischem Weg per Wahl. Etwas, das der Bauernverband nie in Betracht ziehen würde. Der begnügt sich lieber damit, erst gar keine eigenen Vorschläge zu machen oder aber einfach für seine Mitglieder zu bestimmen ohne sie zu fragen. Also, lieber Bauernverband, mal lieber nicht so groß los machen, die Klappe. Leistet doch selber mal was!

Auch kartellrechtlich ist das Ziel der Milchboard/EMB nicht zu erreichen. Das Ziel des Milch-Board ist, eine markbeherrschende Stellung von mehr als 50 bis zu 80 Prozent Milcherzeuger zu erreichen, um ihre Preisvorstellungen durchsetzen zu können. Das Bundeskartellamt hat bereits deutlich gemacht, dass schon bei sehr viel geringeren Bindungsgraden ein funktionierender Wettbewerb ausgeschlossen wird und deshalb ein Verstoß gegen das Kartellrecht vorliegt.

Und hier wird das Marktstrukturgesetz vergessen. Das erlaubt Landwirten Erzeugergemeinschaften zu bilden. Hierbei zeigt das Marktstrukturgesetz keine Grenzen auf. Bis auf, das der Wettbewerb nicht “ausgeschlossen” wird. Dies wäre aber erst bei einer Mitgliedszahl von 100 Prozent der Fall. Diese Mitgliedszahl zu erreichen dürfte illusorisch sein. In allen anderen Fällen ist das Kartellamt schlicht nicht zuständig. Dazu müsste sich erst die Gesetzeslage ändern.  Außerdem: was spräche dagegen, zwei Erzeugergemeinschaften zu etablieren? Die beide den Passus über kostendeckende Mindestpreise in die Satzung aufnehmen. Wettbewerb wäre möglich, trotzdem würde kein Bauer mehr Milch unter Wert verkaufen müssen. Solange also nicht alle Milchbauern in einer einzigen Erzeugergemeinschaft gebündelt sind, verschont uns mit dieser lächerlichen Warnung vor dem Kartellamt.

 

Punkt 3: Rationale Entscheidungen

Ich lach mich wech. Als wenn der Bauernverband dazu fähig wäre. Das hat er bisher noch nie gezeigt. Würd mich freuen, wenns mal so käme. Obwohl, vielleicht ist er doch zu rationalen Entscheidungen fähig. Ist nur die Frage, für wen diese gelten? Für die Bauern jedenfalls nicht.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein kann und will nicht in die unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Entscheidungen seiner Mitglieder eingreifen oder diese bestimmen.

Ach? Und wieso bestimmt er über wenigstens einen Teil seiner Mitglieder indem er ihnen vorschreibt was sie zu denken haben? Jede andere Meinung als die des Bauernverbandes wird niedergemacht. Verhandlungsbereitschaft wird nur gezeigt, solange sich die Gegenüber von der Position des Bauernverbandes überzeugen lassen. Diskussionen werden einfach unterbrochen wie bei der Verbandsveranstaltung in Neumünster oder kommen gar nicht erst zustande.

Wieso sagt der Bauernverband seinen Mitgliedern, welche unternehmerischen Entscheidungen die richtigen sind und welche falsch? Wenn sie nicht eingreifen oder bestimmen wollen, warum lassen sie die Bauern nicht denken was sie wollen? Oder diskutieren wenigstens über unterschiedliche Sichtweisen? Nein, so etwas gibt es beim Bauernverband offenbar nicht. Und hier schreibt er, er wolle weder eingreifen noch bestimmen. Peinlich, ärgerlich, absolut daneben.

Der Bauernverband warnt auch ausdrücklich vor Bestrebungen dazu von anderer Seite. Deswegen kann er nur davon abraten, unternehmerische Entscheidungen in fremde Hände zu geben, wie das im Rahmen des Milch-Boards vorgesehen ist.

Ha, erwischt! Wie war das noch gleich hier drüber? Weder eingreifen noch bestimmen? Aber warnen, das geht, oder wie? Lieber Bauernverband, ihr macht Euch hier so dermaßen lächerlich, wenn ihr zwei so widersprüchliche Aussagen direkt hintereinander tätigt. Und vor allem, wenn ihr Eure Mitglieder “warnt”. “Wir warnen Euch, wenn ihr nicht tut, was wir sagen” ist ein äußerst eloquenter Umgang mit denen, die Eure Gehälter bezahlen.

Denkt mal nach. Ist es nicht auch eine “unternehmerische Entscheidung”, wenn man freiwillig gewisse unternehmerische Entscheidungen in andere Hände gibt? Es ist ja auch eine unternehmerische Entscheidung, Mitglied im Bauernverband zu sein. Diese Entscheidung wurde in letzter Zeit von etlichen Bauern revidiert. Auch so etwas ist möglich. Es ist genauso eine unternehmerische Entscheidung, auf den Bauernverband und seine Berater zu hören. Diese unternehmerische Entscheidung ist in jüngster Vergangenheit, und wird in nächster Zukunft, etlichen Bauern zum Verhängnis. Denn alle, die reichlich investiert haben, nach den Vorgaben des Bauernverbandes, stehen jetzt kurz vor dem Aus, dem betriebswirtschaftlichen, finanziellen Ende.

Nach inzwischen mehr als einjähriger Diskussion auch anderer Konzepte und Maßnahmen verschiedener Gruppen wird in Bezug auf Auswirkungen und Realisierbarkeit keine der vorgeschlagenen Maßnahmen für tauglich gehalten.

Ja, wir wissen es, ihr wollt weder eingreifen noch bestimmen. Diskutieren wollt ihr aber auch nicht. Das überlasst ihr den “anderen Gruppen”. Und urteilt nur über deren Vorschläge, ohne eigene zu bringen. Ihr haltet diese Maßnahmen nicht für tauglich? Dann macht eigene Vorschläge! Aber greift nicht ein, wenn Eure Mitglieder diese für “nicht tauglich” halten!

Der Berufsverband urteilt dabei verantwortungsvoll im Auftrag seiner Mitglieder vor dem Hintergrund der agrarpolitischen Sachlage.

Nicht eingreifen und nicht bestimmen, aber urteilen, das maßt ihr Euch an? Verantwortungsvoll im Auftrag Eurer Mitglieder? Den Auftrag habt Ihr von recht vielen Eurer “Noch”-Mitglieder schon lange verloren. Vor dem Hintergrund der agrarpolitischen Sachlage? Die habt ihr doch gar nicht verstanden! Der Bauernverband reimt sich was zusammen, wie es ihm argumentativ am meisten zu helfen scheint in einer schwierigen Marktlage und bei schwindenden Mitgliederzahlen.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein ist immer bereit, über Konzepte, Vorschläge, Strategien und deren Auswirkungen zu diskutieren.

Das hat er bisher aber nicht gezeigt. Das er dazu bereit sein würde glaube ich gerne, da er selber keine Konzepte, Vorschläge und Strategien hat. Aber wie gesagt, bisher war wenig Diskussionswillen erkennbar. Alle Bauernverband geleiteten Diskussionen, die ich verfolgen durfte, wurden schlicht abgebrochen, wenn es für den ihn argumentativ eng wurde. Ansonsten begnügte sich der Bauernverband damit, Konzepte anderer niederzumachen, auseinanderzunehmen, und das mit äußerst fragwürdiger Argumentation.

Eine solche Diskussion muss aber realistisch, sachorientiert und zielgerichtet sein.

Ja, genau. Realistisch soll sie sein, wo der Bauernverband unter Realitätsverlust leidet, die Realität gar nicht erkennt. Sachorientiert, wo er die Sachlage selber völlig falsch einschätzt. Zielgerichtet, wo er selber keine Ziele hat. Alles klar.

Er lehnt grundsätzlich die Teilnahme an Aktivitäten ab, deren Ziel und Absicht die Durchsetzung von in unseren Gremien als falsch und nicht zielgerichtet erkannten Vorschlägen ist.

Das der Bauernverband das ablehnt ist für sich in Ordnung. Aber soll er dies nicht seinen Mitgliedern vorschreiben. Was er doch solch eine Äußerung indirekt tut! Der Bauernverband vertritt nicht die Bauern! Das er muss er endlich einsehen. Wen er vertritt ist eine Frage, die er erst einmal selber beantworten sollte, und zwar wahrheitsgemäß gegenüber seinen zahlenden Mitgliedern. Denn was der Bauernverband in seinen Gremien erkennt, das muss lange nichts mit dem zu tun haben, was seine Mitglieder denken. Ich gehe mal davon aus, das er das auch genau weiß. Weshalb sonst sollte er durch einen solchen Artikel voller Lügen und Halbwahrheiten seine letzten ihm verbliebenen Mitglieder auf Linie bringen wollen?

Ein neuerlicher Lieferboykott wird deshalb vom Bauernverband Schleswig-Holstein strikt abgelehnt. Den Milcherzeugern und anderen Landwirten wird empfohlen, sich nicht an solchen Aktivitäten zu beteiligen oder diese zu unterstützen.

Weshalb denn? Weil die Bauern damit eventuell mehr Erfolg haben könnten als beim ersten Milchlieferstopp, den der Bauernverband selber vorzeitig beendet hat? Warum lehnt der Bauernverband eigentlich überhaupt alles strikt ab, was die Situation seiner eigenen Mitglieder verbessern könnte? Will er seine letzten Mitglieder loswerden? Und wenn ja, warum? Wem will er wirklich mit seinem Tun helfen? Den Bauern ja nicht, die leiden nur immer mehr unter dem, was der Bauernverband ihnen einbrockt. Los, Butter bei die Fische: sagt endlich, das Ihr nur ein Industrieverband seit! Das die Bauernverbandsfunktionäre die größten Profiteure von zusätzlichen Subventionen sind. Seit gestern wissen das doch sowieso schon erheblich mehr Menschen, sofern sie fernsehen. Denn da kam ein interessanter Bericht, das ein, ich meine der hessische wars, Bauernverbandsvorsitzender alleine in 20 Vorständen udn Aufsichtsräten der Fleischindustrie und anderen Nahrungsmittelindustrien sitzt. Sein Hof plus der seiner Frau und all seine Nahrungsmittelfirmen, in denen er tätig ist zusammen erhalten momentan ca. 4 Millionen Euro Subventionen! Da kann ein kleiner Bauern nur von träumen. Deshalb setzt sich der Bauernverband nicht für seine eigentlichen Mitglieder ein, sondern vielmehr für die großen Schlacht-, Verarbeitungs- und sonstige Firmen in der Nahrungsmittelindustrie. Und die wollen natürlich immer mehr Ware haben, die sie billig aber massenhaft verschleudern können. Die rechnen ja auch so, das sie selber immer genügend übrig haben. Auf Kosten der Bauern, die sie immer weiter im Preis drücken bis auf ein derzeitiges unter-Herstellungskosten-Niveau. Wenn der Bauernverband das mal zugeben würde, dann wüssten wenigstens alle Bescheid, wo der Hase lang läuft. Doch dann würde wohl kein Bauern mehr Mitgliedsbeiträge zahlen.

Was ihr “Euren” Bauern vorschlägt, lieber Bauernverband, das könnt Ihr Euch in die Haare schmieren. Jeder Bauer, der auf Euer Gewäsch hereinfällt, der tut mir von tiefstem Herzen Leid. Aber untergehen muss er trotzdem!

Der Bauernverband Schleswig-Holstein unterstützt ausdrücklich die Bemühungen der norddeutschen Meiereien zu einem gemeinsamen Auftritt im Markt und zur Verbesserung der Struktur.

Na wenigstens schon mal ein Teilgeständnis. Denn genau das meinte ich eben. Der Bauernverband unterstützt die große Industrie. Die Meiereien sollen sich noch weiter zusammenschließen, um dem Handel gegenüber gestärkt auftreten zu können. Und gestärkt den Bauern gegenüber. Denn mal ehrlich: welche große Meierei zahlt momentan höhere Preise aus. Wenn man die Auszahlungsstatistik zu Rate zieht, dann fällt auf, das die großen Meiereien recht weit unten auf der Liste stehen und kleinere Meiereien recht weit oben. Die zahlen noch mehr aus als das es eine große tun würde. Natürlich ist das so. Sie haben eben auch gegenüber den Bauern eine stärkere Verhandlungsposition. Und das Märchen von der Genossenschaftsmeierei ist auch schon lange überholt. Die Genossen dürfen wohl gerne ihr Geld für die Meierei hergeben, über ihre Vermarktungsstrategien lassen die sich deshalb aber noch lange nichts sagen von den Bauern. Und auch die sonst, eine Vergrößerung einer Meierei bringt für den Bauern was? Nichts. Das, was die größere Meierei an Effizienzsteigerung  herausholen kann verschleudert sie wieder an die Spediteure, weil sie einen größeren Raum abdeckt. Die Milch muss von weiter her herangefahren werden. Das kostet laut einer Vergleichsrechnung in irgendeiner Zeitung 1,2 Cent vom Auszahlungspreis. Genau dasselbe, was die Meierei durch die Effizienzsteigerung mehr hereinwirtschaften konnte. Und? Irgendwas besser für den Bauern? Nein!

Verbesserung der Struktur? Wird hier die sogenannte “Wertschöpfungskette” gemeint? Na gut, Premiumprodukte verkaufen sich besser als Allerweltsware. Aber nicht jeder kann nur Premiumprodukte verkaufen. Überhaupt eine neue Marke am Markt zu etablieren ist ein langer und vor allem teurer Weg. Zeit, die die Bauern kaum mehr haben und dann auch noch auf deren Kosten. Die Meiereien werden so einen Weg nicht aus der Portokasse bezahlen. Das sparen sie sich vom Auszahlungspreis an die Bauern ab. Und wofür? Es werden dann kaum mehr Premiumprodukte gekauft werden. Die Menge solcher Käufe wird gleich bleiben. Sie wird sich nur auf dann mehr Marken verteilen. Auch nichts, was irgendwie weiterhelfen könnte.

Norddeutschland ist darauf angewiesen, seine Milchproduktion überregional und auf Drittlandsmärkten abzusetzen.

Ja, natürlich. Weil hier schlicht zu viel produziert wird! Der Markt kann die Milch nicht mehr aufnehmen. Also muss sie überregional und international verschleudert werden. Um anderen Ländern auch noch ihren Markt kaputt zu wirtschaften. Der Bauernverband hatte selber gesagt, das der aktuelle Milchpreis dem Nachfragerückgang und dem vermehrten Import von Milchprodukten geschuldet sei. Mehr Import? Von wo? Womöglich von den Ländern, die selber zu viel Milch und zu billig produzieren, das sie selber auf die glorreiche Idee gekommen sind, ihre Milch zu exportieren? Nur hatten die diese Idee etwas früher als unser Bauernverband. Und jetzt will der, das unsere Milch in andere Länder verkauft wird, die ihre eigene zu uns schicken, weil sie sie dort nicht loswerden. Wahnsinnig schlau.

Dies kann nur erfolgreich gelingen, wenn die Meiereiwirtschaft effizient aufgestellt ist.

Genauso effizient, wie die deutschen Bauern im internationalen Vergleich aufgestellt sind? Also am billigsten produzieren können, noch weit unter Herstellungskosten? So “gut aufgestellt” sind? Mit dem Rücken zur Wand! Das Erschiessungskommando vor der Nase! Gratuliere!

Um eine bessere Verwertung sicherzustellen ist eine höhere Veredelung aufzubauen, um den hohen Anteil von Versandmilch zu reduzieren.

Was ich oben schon schrieb: als wenn der Kunde plötzlich das Geld über hätte, doppelt so viele Premiumprodukte zu kaufen. Hat der Bauernverband denn gar keine Ahnung von Marktwirtschaft? Es lassen sich nicht mehr “höhere Veredelungen” auf dem Markt absetzen ohne Verlust für die bereits bestehenden “höheren Veredelungen”. Übrigens: die “höheren Veredelungen” haben wir schon längst in Deutschland. Denn keine Milch weltweit wird unter so hohen Auflagen betreffs Umwelt- und Tierschutz hergestellt wie die unsere. Will der Bauernverband “höhere Veredelungen” in Deutschland, dann kann er erst mal dieses dem deutschen Käufer beibringen. Denn wenn durch den Weg des Bauernverbandes keine Milch mehr hergestellt wird in Deutschland, dann muss sich der hiesige Konsument mit minderwertiger Ware aus dem europäischen und internationalen Ausland begnügen!

Wichtig ist, dass diese Krise genutzt wird, schnell in den Meiereigremien zu Entscheidungen zu kommen.

Ja, vor allem schneller, als die Milchbauern zu Entscheidungen kommen, oder wie? Weil es dann zu spät für die “Meiereigremien” wäre, ihre Expansionspläne auf Kosten der Bauern zu verwirklichen, oder weshalb? Größere Meiereien haben keinerlei Vorteil für die anliefernden Bauern, wenn sich diese nicht für die Bauern einsetzen. Und das tun sie doch schon lange nicht mehr. Die Meiereigremien setzen sich nur für die Meiereigremien ein, für niemanden sonst. Als wenn die so sozial eingestellt wären, das sie den Bauern gerne mehr Geld zukommen lassen wollten. Doch nicht, bevor sie nicht selber mehr abgegriffen haben. Und ob der freie Markt, den der Bauernverband so propagiert, so viel Geld abwirft, das alle mehr verdienen können? Wohl kaum.

Dem Landesbauernverband ist nach den Erfahrungen mit den Irrungen und Wirrungen von mehr als 50 Jahren europäischer Agrarpolitik klar, dass der Markt noch am besten dazu in der Lage ist, die Entwicklung zukunftsträchtig und halbwegs gerecht zu steuern.

Halbwegs gerecht vielleicht. Denn der deutsche Bauer soll ja nicht am Markt teilnehmen dürfen. Der soll weiterhin nur produzieren, immer mehr und immer billiger, damit die wahren Bauernverbandsmitglieder, die Nahrungsmittelindustrie nämlich, weiterhin schön verdienen kann. Das, was sie produziert und hier nicht loswird, das soll von staatlichen Geldern subventioniert exportiert werden, um auch noch die Märkte anderer Staaten zu vernichten.

Der Bauernverband will Marktwirtschaft. Der Bauer auch! Nur nicht so, wie der Bauernverband sie fälschlich versteht. Denn Marktwirtschaft fängt beim Produzenten an und nicht erst dahinter, in der verarbeitenden Industrie! Der Produzent eines jeden Produktes, außerhalb der Landwirtschaft, hat die Möglichkeit und das Recht, seinen Preis zu nennen. Sein Abnehmer verhandelt mit dem Bauern über den Verkaufspreis. Und erst wenn sich beide einig sind findet ein Geschäft statt. Nicht so, wie es bisher in der Landwirtschaft geschieht: der Abnehmer sagt seinen Preis Wochen bis Monate nachdem er das Produkt beim Produzenten abgeholt hat. Nicht so wie bisher, das die Meierei mit dem Handel derart den Preis aushandelt, das die Meierei daran verdienen kann und den kläglichen Rest, der davon übrigbleibt, wird an die Bauern weitergereicht und Auszahlungspreis genannt. Marktwirtschaft funktioniert anders. Aber davon hat der Bauernverband offensichtlich keine Ahnung. Um so trauriger, das er sich hinstellt und voller Inbrunst behauptet, er wäre für die Marktwirtschaft. Der Bauernverband womöglich, für sich selber, für seine Nahrungsmittelindustrie, aber ganz sicher nicht für die Mitgliedsbeiträge zahlenden Bauern. Denen verkauft er etwas ganz anderes, nur mit einem schickem Label von Marktwirtschaft versehen.

Trotz der aktuellen Krise, in dem kein schleswig-holsteinischer Milchviehbetrieb in der Lage ist, Gewinne zu erwirtschaften, ist deshalb der Weg aus der Quote immer noch richtig und darf nicht infrage gestellt werden.

Schon wieder dieser Maulkorb für seine Beitragszahler. Die Bauern dürfen nicht infrage stellen, was der Bauernverband sagt. Wer glaubt Ihr eigentlich, wer Ihr seid? Wenn ihr nicht von heute auf morgen von Eurem falschen Weg abkommen und Euch um 180 Grad drehen könnt, dann ist das Euer Problem. Aber sicher kein Grund dafür, Euren Mitgliedern einen Maulkorb verpassen zu wollen und zielgerichten weiter gen Abgrund zu laufen! Stattdessen könntet Ihr ja mal eine Idee beibringen, die dazu führt, das die Bauern etwas mehr Geld übrigbehalten bei der Milchproduktion? Ihr beratet Eure Bauern doch auch hinsichtlich “wachsen oder weichen”. Womit eigentlich nur “wachsen” gemeint ist, denn das mal ein Bauer “weichen” soll, das berät Ihr nicht. Warum eigentlich nicht? Wenn alle nur wachsen, aber niemand weicht, wie funktioniert das dann mit dem “wachsen oder weichen”?

Staatliche Regulierungen bevormunden die Betriebe und können auch den Strukturwandel nicht aufhalten.

Ach? Und was ist mit den aktuellen staatlichen Regulierungen? Die, die besagen, dass die Bauern nicht selber aktiv an der Marktwirtschaft teilnehmen dürfen indem sie einen Herstellerpreis selber vertreten? Damit, dass die Bauern Subventionen erhalten für ihre billige Produktion, allerdings nur unter strengsten Auflagen was die Art der Bewirtschaftung angeht? Ist das nicht auch eine Bevormundung der Betriebe, die viel lieber selbst aktiv werden möchten?

Dasselbe gilt für zentral gesteuerte Konstruktionen zur Mengensteuerung.

Eben. Weg damit! Sofort! Ich meine die zentral vom Handel gesteuerte Konstruktion zur Mengen- und Preissteuerung!

Die Milcherzeuger sind jetzt, wie vor Ihnen schon die anderen landwirtschaftlichen Produktionszweige, in den Markt überführt.

Nein! Sind sie nicht! Sie werden in etwas überführt, das Ihnen der Bauernverband als Markt verkaufen will. Wären die Bauern in den Markt überführt, sie könnten ihre eigenen Preise umsetzen. Wie jeder andere, der im Markt agiert. Nämlich aktiv, selber, eigenständig oder durch eine von ihm eingesetzte Vertretung. Und nein, der Bauernverband ist nicht die von den Bauern eingesetzte Vertretung. Nicht mehr. Lange schon nicht mehr.

Weder Verbände noch Politik haben die Möglichkeit, Preis bestimmend in den Markt einzugreifen.

Ja wie? Der Bauernverband versucht doch ständig Preis bestimmend in den Markt einzugreifen. Indem er seinen Mitgliedern untersagt, eigene Preis bestimmende Funktionen zu etablieren. Und auch die Politik greift Preis bestimmend in den Markt ein. Immerhin subventioniert sie für den Verbraucher günstige Preise und lässt ansonsten alles so, das die Bauern keine Chance haben, selber am Markt aktiv zu werden. Die einzige Entscheidung, die der Bauer noch hat ist, ob er weitermachen will oder aufhört. Und selbst diese Entscheidung wird ihm mittlerweile streitig gemacht.

In dieser Anpassungsphase und vor dem Hintergrund der aktuellen Krise geht es dem Berufsstand darum, den Betrieben Liquiditätshilfen, Unterstützung und Kostenentlastung zu verschaffen.

Welchem Berufsstand geht es darum, mehr Geld in die Betriebe zu pumpen? Dem Berufsstand der Bauernverbandsfunktionäre? Wie ist den Bauern mit mehr Geld geholfen? Gar nicht! Alles Geld, was in diese am Abgrund stehenden Betriebe gepumpt wird, verpufft auf dem theoretischen “freien Markt”, den der Bauernverband propagiert. Wozu sollte man Betrieben Liquiditätshilfen zukommen lassen, die betriebswirtschaftlich schlecht gewirtschaftet haben, die sich in schlechten Zeiten übernommen haben mit ihren Expansionsplänen? Arcandor soll auch nicht unterstützt werden. Genauso wenig wie Frau Schäffler. Beide haben sich betriebswirtschaftlich verhoben. Die Finanzkrise war daran nicht schuld. Ergo bekommen sie keine staatlichen Hilfen. Wieso sollen bei den Bauern andere Maßstäbe angelegt werden?

Und warum überhaupt sollen Bauern Liquiditätshilfen, Unterstützung und Kostenentlastung erhalten? Widerspricht das nicht den Bemühungen des Bauernverbandes um einen freien Markt? In der Marktwirtschaft entscheidet der Markt, wer “marktfähig” ist. Nicht die Politik! Auch nicht ein Verband! Wenn der Markt die Marktfähigkeit der Betriebe aufzeigen würde, gerade die Betriebe, die in jüngster Zeit am meisten Investitionen gemäß Bauernverbandsberatung getätigt haben müssten am schnellsten in die Pleite gehen! Ohne jedwede Unterstützung! Das wäre Marktwirtschaft! Auch wäre solch ein Vorgehen wohl kaum dem lieben Steuerzahler zu erklären. Denn schließlich wird es sein Geld sein, das die Bauern dann verbraten dürfen. Hier zeigt sich nur wieder die schizophrene Argumentation des Bauernverbandes, die ich früher schon angekreidet hatte. Der Bauernverband argumentiert äußerst wechselnd, je nach Thema und was ihm selber am meisten zum Vorteil gereichen würde. Intelligenz und Linientreue sind nicht erkennbar.

Kurzfristig muss es daher zu einer schnellen und unbürokratischen Genehmigung von Anträgen auf Steuerstundung und Aussetzung/Herabsetzung der Steuervorauszahlungen kommen, denn die Forderungen der Finanzämter aus der Hochpreisphase treffen jetzt auf eine Situation absoluter Liquiditätsengpässe.

Komisch. Betriebswirtschaftlich verantwortungsvolle Betriebe legen in guten Zeiten, in “Hochpreisphasen", finanzielle Reserven für schlechtere Zeiten, für “Situationen absoluter Liquiditätsengpässe”, an. Oder nicht? Nein, in der Tat nicht. Wenn nämlich der Betrieb auf die Berater des Bauernverbandes gehört hat, die ihre Bauern in der Hochpreisphase dazu beraten haben zu investieren. Sie waren fälschlicher Weise der Meinung, die Hochpreisphase würde andauern. Und selbst heute werden die Bauern noch dazu beraten zu investieren, da sie sich jetzt in der schlechten Zeit “gut aufstellen” sollen für die nächste Hochpreisphase. Was für eine Beratung ist das eigentlich, unabhängig der wirtschaftlichen Lage immer dasselbe zu raten? Und wieso, wenn durch die Marktwirtschaft, die der Bauernverband meint, nie wieder eine Hochpreisphase kommen wird? Denn das einzige, was die Produktion limitieren wird, wird der Preis sein zu dem Bauern produzieren können. Es wird also so lange so viel produziert, wie noch ein Bauer das Spiel mitspielt. Und der Preis wird so ewig auf untersten Niveau forciert.

Ein Vorziehen der europäischen Ausgleichszahlungen beziehungsweise eine namhafte Abschlagzahlung darauf ist zur Überbrückung der Finanzierungsengpässe eine pragmatisch und leicht zu gewährende Unterstützung.

Also die Subventionen oder wenigstens einen Teil davon früher auszahlen. Und was soll das helfen? Das Geld fehlt dann später. Und ein Aufwärtstrend beim Milchpreis ist nicht absehbar. Das Bauernsterben wird so nur verschoben, aber um nichts verhindert oder gelindert. Ganz im Gegenteil. Alles Geld wird vernichtet und der Tod kommt doch, nur später, dafür aber noch schlimmer.

Das Gleiche gilt für Bürgschaften, mit denen die Länder sicherstellen können, dass die von der landwirtschaftlichen Rentenbank bereit gestellten zinsgünstigen Liquiditätsüberbrückungskredite auch bei den Landwirten ankommen und nicht über die Hausbanken wieder verteuert werden.

Bürgschaften also. Wie sie anderen krisengebeutelten Firmen zur Verfügung gestellt werden sollen. Aber nicht denen, die nicht durch die Finanzkrise in den Abwärtsstrudel geraten sind. Die sollen nichts bekommen. Und genauso wenig dürfen die Bauern solche Bürgschaften erhalten. Sie haben sich betriebswirtschaftlich verkalkuliert und müssen nun auch die Konsequenzen tragen. Bürgschaften durch den Steuerzahler würden wie oben schon mal gesagt auch gegen das marktwirtschaftliche Prinzip verstoßen, das gerade der Bauernverband so propagiert.

Mittelfristig muss die Politik endlich einseitige hohe Kostenbelastungen durch die hohe Agrardieselbesteuerung beenden und Wettbewerbsgleichheit zu den europäischen Nachbaren herstellen.

Wie denn jetzt? Ich dachte, die Politik solle nicht in den Markt eingreifen. Und nun doch? Kostendeckende Milchpreise darf  die Politik nicht möglich machen, aber die hohe Kostenbelastung in Deutschland soll sie reduzieren? Und dann auch noch die Agrardieselbesteuerung. Das Thema ist so dermaßen alt, das selbst ich noch flüssig war, als es das erste Mal aufkam. Bummelig 40 Jahre ist das nun her. Genügend Zeit also, in der der Bauernverband aktiv hätte werden können. Hat ihn aber all die Zeit über nicht weiter interessiert. Nun aber will er sich mit dem Thema profilieren. Und was nützt es? Die Agrardieselbesteuerung soll gesenkt werden. Statt 40 Cent pro Liter Diesel soll der deutsche Bauern dann nur 25,4 Cent bezahlen. Limitiert auf zwei Jahre, was allerdings vielleicht auch noch erweitert werden soll. Und? Die Franzosen bezahlen immer noch nur 0,6 Cent pro Liter Diesel. Wenn die Politik also Wettbewerbsgleichheit zu unseren europäischen Nachbarn herstellen soll, dann ists mit guten 25 Cent noch lange nicht getan. Dann muss der Dieselpreis hier auf französisches Niveau gesenkt werden. Oder aber deren Dieselpreis muss auf unser Niveau angehoben werden. Das Geschrei der französischen Bauern möchte ich dann aber hören.

Und wie viel Ersparnis bringt den Bauern diese Steuerreduzierung ein? Übrigens wäre das eine zusätzliche Subvention. Auf Steuerzahlerkosten. Irgendwo hatte ich mal eine Rechnung gelesen. Ergab eine Ersparnis von 1.600 Euro pro Jahr, wenn der Dieselpreis von 40 auf 25,4 Cent fällt. Und was verliert derselbe Bauer an Geld durch den nicht kostendeckenden Milchpreis? Für einen kostendeckenden Milchpreis von 40 Cent pro Liter gerechnet und bei einem aktuellen Auszahlungspreis von 18 Cent ergab das ca. 8.000 Euro Verlust! Jeden Monat! Es stehen also eine Ersparnis von 1.600 Euro im Jahr einem Verlust von 8.000 Euro monatlich gegenüber. Ja, doch, diese Agrardieselsteuersenkung bringts voll. Habt Ihr sie noch alle?

Auch andere durch politische Entscheidungen verursachte Kostenbelastungen müssen auf den Prüfstand, zum Beispiel die naturschutzrechtlichen Kompensationsregelungen.

Und jetzt wollen wir noch den Umweltschutz lockern, nur um ein paar Euro Kosten streichen zu können. Anstatt sich für vernünftige Auszahlungspreise stark zu machen wird an breiter Front hier und da rumgedoktort. Eine einfache politisch geregelte Marktteilnahme der Bauern wäre etwas, das viel einfacher zu bewerkstelligen wäre, den Steuerzahler keinen Cent kostet und auch dem Verbraucher viel einfacher zu erklären wäre. Aber das wäre wohl zu einfach und auch der Bauernverband hätte selber nichts davon.

Langfristig brauchen die landwirtschaftlichen Betriebe eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage zur Glättung steuerlicher Gewinne und Forderungen im Zeitablauf. Die prognostizierten erheblichen Marktschwankungen werden immer wieder dazu führen, dass Steuerforderungen aus Hochpreisphasen in Niedrigpreisphasen mit knapper Liquidität fällig werden.

Und wenn die Bauern einen wenigstens kostendeckenden Milchpreis realisieren könnten und dürften, sie könnten selber Rücklagen bilden für Niedrigpreisfragen. Wieso sollte die Politik ein solches Konzept umsetzen, wo steuerliche Risikoausgleichsrücklagen gebildet werden, nur um die Erzeugerpreise weiterhin unter Kostenniveau zu halten? Das wäre eine politische Einmischung in den Markt, in den die Bauern überführt werden sollen. Und so etwas wird eigentlich vom Bauernverband abgelehnt, seinen eigenen Worten zufolge.

In der aktuellen Krisensituation ist deutlich geworden, dass mit der Deregulierung der Agrarmärkte auch neue kaufmännische Anforderungen an die Landwirte gestellt werden.

Ach, und deshalb untersagt der Bauernverband seinen Mitgliedern, das sie kaufmännische Qualitäten beweisen und sich selbst um den Markt kümmern wollen? Schon merkwürdig. Der Bauernverband selber bzw. dessen Berater haben doch die Bauern dazu beraten, sich “gut aufzustellen”, zu investieren, um dann die Gewinne aus steigenden Preisen abgreifen zu können. Und hat diese seine Bauern mit seiner Beratung erst richtig an die Wand gefahren in einer Zeit, in der die Preise eben nicht gestiegen sind sondern immer weiter in den Keller gerutscht sind, ohne das erkennbar ist, wann die Preise sich wieder erholen werden. Und die Preise werden sich vermutlich auch nie wieder auf ein kostendeckendes Niveau erholen, wenn 1zu1 umgesetzt wird, was der Bauernverband will.

Daher sehen wir Anpassungsbedarf in der Aus- und Fortbildung der Landwirte. Insbesondere das Liquiditätsmanagement muss neben Kosten- und Produktionsmanagement stärkere Bedeutung erhalten.

Ja, ich erinnere mich noch recht genau. An die Zeit in der Landwirtschaftsschule. Vieles von dem, was man mir dort beibringen wollte, hielt ich für unsinnig, widersprüchlich und zu nicht kleinen Teilen als schlicht falsch. Erst später kam mir auf, weshalb ich so dachte. Es war die Linie und das Gedankengut des Bauernverbandes, das gelehrt wurde. Selbst damals in meiner Ausbildung lag der Bauernverband schon falsch. Kurzfristig und für den einzelnen Betrieb mag die Lehre des Bauernverbandes richtig und gewinnbringend sein. Aber nicht für alle Betriebe zusammen. Würde man diese Lehre auf alle Betriebe gleichermaßen anlegen, das Chaos wäre perfekt. Alle Betriebe würden nur noch wachsen, immer mehr produzieren, bis sie den Markt so überfluten das die Preise verfallen.

Aber das ist die Masche des Bauernverbandes. Die nachkommenden Betriebsleiter müssen so früh wie möglich, und am effektivsten während der Ausbildung, entsprechend auf Bauernverbandslinie gebracht werden. Sie werden solange indoktriniert, bis sie selber den Schwachsinn glauben, den der Bauernverband propagiert. Und wenn sie Fehlentscheidungen treffen und dadurch in Not geraten, wen frage sie um Hilfe? Natürlich den Bauernverband und seine Berater. Eigenständig zu denken und unternehmerische Entscheidungen zu treffen haben sie nie gelernt. So hält sich der Bauernverband seine Mitglieder gefügig und wärmt sich auch schon gleich die nachwachsende Generation Bauern an. Alles dafür, das sie selber genügend Mitgliedsbeiträge kassieren können für ihre eigenen Löhne. Wie viel die Bauern verdienen geht ihnen dabei, auf deutsch gesagt, am Anus vorbei. Solange sie nur die Beiträge für den Verband weiterhin bezahlen.

Bauernverband Schleswig-Holstein

Das letzte Zitat dieses Artikels im Bauern(verbands)blatt. Mit dieser löblichen Unterschrift beende ich meine Stellungnahme. Ich habe den Artikel komplett und lückenlos wiedergegeben. Zensur hat meinerseits nicht stattgefunden. Man muss nicht meiner Meinung sein, die aufgezeigten Merkwürdigkeiten in der Argumentation des Bauernverbandes wird man mir aber wohl kaum absprechen können. Versuchen darf es jeder, der Fehler findet. Nicht aber mit ähnlichen Totschlagargumenten, wie sie der Bauernverband äußert. Auf so etwas reagiere ich recht allergisch. Und wehre mich dem gegenüber mit Händen und Füßen. Nein, stimmt nicht, Worte reichen mir völlig. Jedem, der bis hierher durchgehalten hat, möchte ich danken, das er die Zeit und Muße aufgebracht hat, meine Meinungen zu diesem fürchterlichen, verlogenen und irrigen Artikel des Landesbauernverband Schleswig-Holstein zu ertragen. Ich habe fertig. Feierabend. Ach so, eines noch: für diesen Artikel im Bauernblatt vergebe ich, trauernder Weise, wegen der kompletten Verfehlung des Themas Krise in der Landwirtschaft seitens des Landesbauernverbands, die

Note: 6